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Dienstag, 26. Juli 2011

Helene Henke - Autorin von "Electrica" und der "Roten Palais"-Trilogie ...



Dunkelheit hing über der Straße wie dicker, schwarzer Rauch.
Aus einer Seitengasse erklang ein Scheppern, dann ein empörtes Aufkreischen. Das Herz klopfte mir bis zum Hals.
Ohne schützende Fettschicht fröstelte es mich in meinem roten Cape. Zum wiederholten Male fragte ich mich, weshalb wir uns hier - an diesem Ort und zu dieser Stunde - treffen sollten.
Ich hätte eine Verabredung bei Tag, vielleicht in einem netten Straßencafé vorgezogen.
Doch Helene Henke, Autorin der Romane "Electrica" und der Trilogie "Das Rote Palais" ("Die Totenwächterin 1", "Der Gottvampir 2" und "Die Schattenpforte 3") bestand auf diesen Treffpunkt, nachts, im Hinterhof der städtischen Blutbank.
Ich glaubte einen Windzug im Nacken zu fühlen und drehte mich um.
Da stand sie.
Plötzlich wie ein Geist war sie aufgetaucht. Im folgenden ihre Antworten auf meine Fragen:


Warum schreibst Du Vampirromane?

Weil sie die faszinierendsten mystischen Wesen sind. Und sexy obendrein. Damit meine ich nicht die sogenannten „Weichgespülten“. Christopher Lee als Dracula hat mich bereits in jungen Jahren bezaubert und meine Heldin war die Comicfigur „Vampirella“. In diesem Genre zu schreiben ist wie eine Einstiegsdroge. Man kann nicht mehr aufhören. Der unbestreitbare Vorteil, man entwickelt sich zwangsweise weiter.



Was reizt Dich an Vampiren?

Ihre Vielseitigkeit und Beständigkeit. Der Mythos Vampir erlebt immer wieder ein Comeback und ist aus der Buch- und Filmwelt nicht mehr wegzudenken. Vampire sind theologische Wesen, uns Menschen eng verbunden. Sie sprechen unsere dunkle Seite an und sind ein Quell der Inspiration.



Seit wann schreibst Du?

Seit mein Bewusstsein erwacht ist und ich nur durch Schreiben den Strom an Gedanken bewältigen konnte.



Welche(r) Autor(in) inspiriert Dich?

Keinen bestimmten, aber jeden es geschafft hat, mich mit seine Büchern zu begeistern.



Wie und wann recherchierst Du?

Hauptsächlich im Internet, aber auch im wahren Leben. Feldrecherche kommt auch vor, wodurch oft unterhaltsame Begebenheiten entstehen z.B. die Reaktion eines Polizisten auf meine Fragen über den Geheimdienst in Deutschland. (Recherche für „Das Rote Palais“)

Zitat: „Wenn ich Ihnen darüber näheres erzählen würde, wäre der Geheimdienst wohl kaum geheim.“

Ich werde oft gefragt, ob ich eine Kampfkunst beherrsche, weil Leyla Meisterin in Kendo und Aikido ist. Darüber freue ich mich jedesmal, denn es zeigt mir, dass ich meine Recherchearbeit gut gemacht habe. Mich muss man nämlich im Kletterwald vom ersten Parcour durch das Personal retten. Ist wirklich so passiert.



Wie gehst Du vor? Planst Du Deinen Plot/Story/Szenen und Charaktere vorher?

Wie hast Du das Schreiben gelernt?

Ich würde mich als sogenannten Bauchschreiber bezeichnen. Ich schreibe wild drauf los und habe hinterher eine Menge Nacharbeit am Hals. Durch einen ständigen Prozess des Lernens und Weiterentwickeln, gerät man irgendwann an den Punkt, etwas zu ändern, d.h. vielleicht doch etwas geplanter an ein neues Projekt dranzugehen. Plot und Charaktere sind dennoch geplant, bevor ich schreibe.

Gelernt habe ich durch den wahrscheinlich härtesten, aber effizientesten „Lehrmeister“: herbe Rückschläge.

Aufstehen, wenn man gefallen ist, die blutigen Knie pusten und weitergehen – das ist mein Motto.



Schreibst Du in mehreren Genres? Welche?

Ja, wobei jedes Genre fantastisch bleiben wird. Realität habe ich genug, wenn ich aus dem Fenster gucke. *lach*

Electrica – Lord des Lichts“ ist eine Steampunk Romance.

Weitere Projekte in den Genre Steampunk und Dystopie sind in Vorbereitung.



Was tust Du um Kraft zu schöpfen und/oder neue Ideen zu finden?

Arbeiten gehen. Im Ernst. Mein Brotjob stellt keine besondere, geistige Anforderung, was ich bewusst so gewählt habe. Selbst wenn es richtig stressig wird, hat er den angenehmen Effekt, mir den Kopf freizupusten.


Wie viel und was liest Du?

Leider weniger als ich gerne würde, weil ich sehr langsam und fast nur abends im Bett lese.



Wonach wählst Du ein Buch aus?

Schwer zu sagen, weil ich oft instinktiv Bücher auswähle, abgesehen von Empfehlungen durch Kollegen. Cover und Klappentext sind natürlich maßgebend, doch was mich genau anspricht weiß ich nicht. Dafür täuscht mich mein Gefühl selten, denn habe ich mal eine Wahl getroffen, bin ich meistens begeistert von dem Buch.



Kannst Du Dich noch an Deinen ersten Liebesroman erinnern, den Du gelesen hast?

Oh je, das war vermutlich ein Heftchenroman von meiner Mutter. Dafür erinnere ich mich aber an den ersten Liebesroman, der mich richtig beeindruckt hat. „Wildes Liebesglück“ von Johanna Lindsey hat mich 1981 in seinen Bann gezogen. Jedes Mädchen, das ich damals kannte, musste diese Story über Lady Brenna und dem Wikinger Garrick lesen. Heute ruht das völlig zerfledderte Buch in Frieden unter meinem Bett in der Kiste „Jugendsünden“.



Welche Art Romanhelden/innen bevorzugst Du?

Starke Heldinnen beeindrucken mich. Ich mag die taffe Kämpferin ebenso wie die zurückhaltende Lady mit Köpfchen.



Würdest Du im realen Leben deine Romanhelden als Mann für´s Leben wollen?

Den habe ich bereits seit 24 Jahren. Mein Mann stand für einige Helden Pate, ohne es zu wissen.



Reizen Dich (als Leserin) erotische Romane? (Von Recherchegründen einmal abgesehen...)

Nein. Möglicherweise bin ich zu prüde, denn für mich persönlich verschwimmen die Grenzen zwischen Erotik und Pornografie zu schnell. Allerdings habe ich nichts gegen erotische und durchaus detaillierte Szenen. Die schreibe ich auch selbst gerne, aber in Maßen.



Was gefällt Dir in Romanen am Besten?

Wenn sie mich berühren, besser noch bannen bis ich glaube die Stimmen der Protagonisten zu hören.



Was geht gar nicht? Was sorgt bei Dir dafür, dass ein Buch im Ofen landet?

Eins solches Buch kaufe ich erst gar nicht. Zum Glück, denn Bücher wegschmeißen oder zerstören ähnelt für mich einem Sakrileg.



Wie wichtig ist Sex in Liebesromanen für Dich?

Für mich gehören Liebesromane und erotische Szenen untrennbar zusammen, ansonsten wäre es für mich als Leser so, als würde man mir die Tür vor der Nase zuschlagen. Einzige. Bei Jugendromanen ist es vollkommen in Ordnung, wenn zarte Bande nicht über Küsse oder flüchtige Berührungen hinausgehen.



Was sind Abtörner-Szenen?

Homoerotischen Szenen kann ich nichts abgewinnen, da wir gerade beim Thema sind. Ansonsten finde ich seitenlange Landschaftsbeschreibungen sehr ermüdend.



Wie lange sollte eine gute Erotik-Szene sein?

So lang wie es die Spannung benötigt.



Welchen Plot bevorzugst Du in einem guten Liebesroman?

Den klassischen „Zähmung der Widerspenstigen“ Plot.



Bevorzugst Du ein Subgenre besonders?


Wenn man Steampunk als Subgenre von Fantasy betrachtet.... Ich denke, sobald ein Schauplatz historisch ist, könnte mich nahezu jedes Genre ansprechen.



Stell Dir vor eines Tages steht eine Fee vor Dir und würde Dir vier Wünsche erfüllen. Welche wären das?



Gesundheit, auch für meine beiden Söhne und meinen Mann. Das wären dann wohl die vier Wünsche … ;-)



Herzlichst

Helene Henke


Helene, vielen Dank für das Interview!

1 Kommentar:

  1. Wieder ein schönes Interview, mit sehr netten Fragen und Antworten und einer besonders guten Einleitung.

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