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Dienstag, 5. Juli 2011

Interview mit Britta Strauß, der Autorin von "Nathaniels Seele" und "Meeresblau"

Geheimen Informationen zufolge sollte ich Britta Strauss an diesem Ort treffen.
Obwohl die Motoren brummten, Menschen und Wesen umherliefen und flogen, herrschte doch eine friedliche Atmosphäre.
Eine eigenwillige Geruchsmischung aus Motorenöl, heißem Gummi und Grünzeug drang an meine Nase. Unter meinen Füßen gab das dichte Moos nach und erweckte in mir die Illusion auf Zuckerwatte zu laufen. Lecker.
Ich entdeckte Britta nahe der Propeller. Ihr schwarzes Haar flog ihr wild um die Ohren.
Interessant. Es war nicht schwer zu erraten, was sie da trieb: Sie föhnte ihr Haar.
Und obwohl ich sie so offensichtlich bei ihrer Haar- und Körperpflege so kurz vor dem Abflug störte, nahm sie sich Zeit für das nachfolgende Interview:



Warum schreibst Du ausgerechnet Paranormal Romance-Romane?

Darin vereint sich einfach alles, was ich mag:
- ein guter Schuss Abenteuer
- garniert mit Mystik-Dressing und dunklem Heldengeheimniss
- verfeinert mit einem Blub Erotik
- abgeschmeckt mit "Alles ist möglich"
- und garniert mit ungehemmten Autoren-Träumereien


Seit wann schreibst Du?


Seit der frühen Jugend. Auslöser war Interview mit einem Vampir, wenn ich mich recht erinnere. Man kann sich vorstellen, was da als erstes aus meiner Feder floss. Jede Menge Düsterschmalz mit Stehkragen, Rüschen und Trockeneisnebel *räusper*

Welche(r) Autor(in) inspiriert Dich?

Kein bestimmter Autor. Ich hole mir meine Inspiration aus allen möglichen Ecken und Enden. Manchmal liegt sie auch unter´m Tisch, in der Dusche oder lauert hinter dem nächsten Baum.

Wie und wann recherchierst Du?

Wie: Ausführliches Schnorcheln im Internet, in Filmen und Büchern. Mit etwas Glück finde ich den einen oder anderen (echten) Experten. Unechte gibt es schließlich auch zur Genüge. Leider antwortete der letzte Experte auf meine Frage, ob man die Weltbevölkerung im Fall eines anstehenden, zivilisationsauslöschenden Asteroiden-Einschlags vorwarnen würde, mit Schweigen. Vielleicht war ich denen in meiner Formulierung zu dramatisch. Oder die NASA fühlte sich ertappt *schluck*

Wann: Immer, wenn ich Zeit entbehren kann. Nicht ausschließlich vor dem Schreiben, sondern meistens mittendrin.


Wie gehst Du vor? Planst Du Deinen Plot/Story/Szenen und Charaktere vorher?

Eigentlich ja. Ich meine eigentlich, weil ich den geplanten Plot im Laufe des Schreibens zigmal ändere und das, was am Ende rauskommt, kaum mehr etwas mit meinen ursprünglichen Plänen zu tun hat. Inzwischen plane ich den Plot aus reiner Sturheit heraus. Mir ist klar, dass meine Helden sowieso ihren Dickschädel durchsetzen, aber als Autorin brauche ich zumindest das Gefühl, mitreden zu können ;) Bei mir trifft eindeutig folgender Spruch zu: Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt.


Wie hast Du das Schreiben gelernt?

Üben, üben, üben. Heulorgien nach brachialer Kritik, Herausfiltern des Nützlichen aus dieser Kritik gleich nach erfolgreicher Beruhigung, nochmal schreiben, besser schreiben. Nach und nach ein Gespür für flüssige, angenehme Texte entwickeln. Und weiterhin lernen, lernen, lernen. Großen Dank bringe ich den Lektorinnen vom Sieben Verlag entgegen, deren Zusammenarbeit mir sehr viel gegeben hat. Und natürlich sollte man immer kritikfähig bleiben. Nicht dichtmachen wie eine Auster, sondern schauen, ob der Kritiker Recht hat und es tatsächlich Kanten gibt, an denen man feilen sollte.

Schreibst Du in mehreren Genres? Welche?

Neben Paranormal Romance schreibe ich auch Historisches und tummel mich neuerdings im Bereich des Romantic Suspense. Mein erster Suspense-Roman erscheint voraussichtlich Anfang 2012 im Sieben Verlag.

Welches Genre fällt Dir am Leichtesten zu schreiben?

Ich habe keinen Liebling, der mir besonders leicht aus der Feder fließt. Das ist immer stimmungsabhängig. Mal brauche ich Action, mal Romantik. Die Neigungen wechseln sich permanent ab.

Was tust Du um Kraft zu schöpfen und/oder neue Ideen zu finden?

Ein Spaziergang im Naturschutzgebiet gemeinsam mit meinem Liebsten.
Auf dem Dachboden Sterne gucken.
Ein spontaner Ausflug an die Nordsee.
Einfach in Gedanken an das Meer reisen.
Entspannende Musik.
Die weiten Felder und Wiesen meiner alten Heimat samt dem See.
Ein kuscheliger Abend zum Seele baumeln lassen.

Wie viel und was liest Du?

Ich schreibe mehr, als dass ich lese. Wenn ich lese, dann quer Beet. Liebesromane, Thriller, Abenteuer, Erotik, Mystery. Fast alles, wo genug Abenteuerliches drin steckt. Momentan schaffe ich ungefähr zwei Bücher pro Monat *hust*

Wonach wählst Du ein Buch aus?

Es muss mich anspringen. So ähnlich wie das Book of Monsters in Harry Potter. Nein, im Ernst. Ich wähle nach Optik und Titel aus. Blau zieht mich magisch an. Oder auch Cover, die irgendwie abenteuerlich aussehen. Alte Landkarten zum Beispiel. Oder exotische Orte.

Welche Art Romanhelden/innen bevorzugst Du?

Sie sollten kompliziert, aber nicht zu schwierig sein. Emotional, auf nicht weinerliche Art sensibel und zugleich bereit, Herausforderungen tapfer zu meistern. Ich mag sie klug, draufgängerisch, abenteuerlustig und mit dem gewissen Hau, der sie sympathisch macht. Verrückte, verträumte Abenteuer sind mir am liebsten. Das gilt für´s Schreiben wie für´s Lesen.

Würdest Du im realen Leben den Romanhelden als Mann für´s Leben wollen?

Nein. Ich habe den perfekten Mann für´s Leben gefunden. Er inspiriert mich jeden Tag auf´s Neue. Was will man mehr? Allerdings zieht er mich ständig mit Langhaarperücken auf *kopfkratz*

Reizen Dich (als Leserin) erotische / Liebesromane? (Von Recherchegründen einmal abgesehen...)

Durchaus, aber nicht in Mengen. Mal ist mir nach Schnulze, mal nach Erotik, mal nach Abenteuer ohne Romantik. Mich reizt so gesehen vieles, aber ich brauche Abwechslung.

Wenn ja, warum?

Öhm, aus Recherchegründen *g* Zur Inspiration und zum Rotwerden. Ehrlich gesagt lesen mein Liebster und ich uns gerne gewisse Szenen aus solchen Romanen vor. Wobei ich das Vorlesen abgebe, sobald es ans Eingemachte geht. Nebenbei bin nämlich immer noch schüchtern.

Was gefällt Dir in Romanen am Besten?

Das Träumen und Abtauchen. Wenn da dieser gewisse Sog eintritt, der mich schwindeln lässt. Der mich wegträgt und nur schwer wieder loslässt. Wenn ein Buch so gut ist, dass es mich grinsend durch den Tag gehen lässt. Das beste an (guten) Romanen ist die Auszeit vom Alltag. Das Erleben von Abenteuern, die das reale Leben nicht bietet. Einfach des Wegbeamen.

Was geht gar nicht? Was sorgt bei Dir dafür, daß ein Buch im Ofen landet?

Strunzdoofe Charaktere und ewiges Geschwafel. Oder auch zu wenig Geschwafel á la "zack-peng-bumm-fertig". Das letzte Buch flog in den Eimer, weil die Heldin behauptete, eine Knarre nicht von einem Dildo unterscheiden zu können. Da wurde der Doof-Horizont um Lichtjahre überschritten. Ich lese gerne reine Unterhaltungsliteratur, aber bitte nicht so trivial und einfach, dass die Gehirnzellen in Tiefschlaf verfallen. Oder wahlweise vor lauer Unlogik und Dummheit in Rauch aufgehen.

Wie wichtig ist Sex in Romanen für Dich?

Hmmm, das kommt darauf an. In Liebesromanen ist er mir wichtig, wobei ich es gerne sehe, wenn das Paar auch anderes zu tun hat, als sich durch das Bett zu jagen und den Schreibtisch rhythmisch durch die Wohnung zu schieben. Es muss ein Gleichgewicht gehalten werden. Mehr als drei Liebesszenen in einem 200 Seiten-Roman müssen es nicht sein. Lese ich allerdings Thriller oder Abenteuer-Romane, brauche ich keinen Sex. Da geht´s auch ohne.

Was sind Abtörner-Szenen?

Schmutzige, eklige, zu direkte Körperflüssigkeiten-Feuerwerke und Dirty-Talk á la "Nimm meine Fleischpeitsche, du Stück." Ich mag es immer mit etwas Weichzeichner. Gerne darf es in die Vollen gehen, aber alles schön ästhetisch, bitte schön. Zungen in gewissen Nährstoffendprodukt-Ausscheidungsöffnungen törnen mich ebenfalls ab.

Wie lang sollte eine gute Erotik-Szene sein?

Was soll ich dazu sagen? Hmm, auf jeden Fall mehr als drei Sätze, aber nicht länger als vier Seiten. Wie lang sind eigentlich meine? Moment mal, ich geh gucken. Ja doch ... ich bin voll im selbstgesetzten Rahmen.


Welchen Plot bevorzugst Du in einem erotischen bzw. Liebesroman?

Keinen bestimmten. Aber er sollte mehrere (Spannungs-)Höhepunkte beinhalten, die keine Langeweile aufkommen lassen. Gerne auch außerhalb der Bettgymnastik. Schauplatz gerne so exotisch wie möglich.


Dein Held Nathaniel ist unsterblich, würde Dich die Unsterblichkeit reizen?


Unbedingt, allerdings mit Einschränkungen. Ich möchte meine Liebsten an meiner Seite haben und im Ernstfall die Unsterblichkeit beenden können. Soll heißen: Gerne ewige Jugend, solange, wie ich Lust darauf habe. Ist aber der richtige Moment zum Abdanken gekommen, möchte ich gehen können. Wirklich ewig leben will keiner, aber jeder solange, wie er Lust darauf hat. Und zwar ohne Katheder und Windel. Mal ehrlich, das Altern kann extrem nervtötend und unschön sein. Ich persönlich würde gerne darauf verzichten. Außerdem muss ich für all das, was ich noch sehen und erleben will, mindestens tausend Jahre alt werden.

Und zu guter Letzt: Was wolltest Du schon immer mal in einem Interview loswerden? *g*
Ich bin eigentlich nicht von hier. Meine wahre Heimat ist der Saturnmond Enceladus und ich wurde hierher geschickt, um unter der gelben Sonne aufzuwachsen.


Danke für das vergnügliche Interview, Britta!

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