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Montag, 4. Juli 2011

Interview mit Rebecca Abe

Rebecca Abe, eine weitere Autorin ist mir, Poison Ivy aka Ivy Paul ins Netz gegangen.
Hinterrücks habe ich sie angefallen, verschleppt und mit meiner Wahrheitsdroge aus Efeu- und Charmeessenzen dazu gebracht, mir Rede und Antwort zu stehen:


Autorenfragen von Ivy Paul: Rebecca Abé zu „Im Labyrinth der Fugger“, Gmeiner Verlag 2011, antwortet :



Warum schreibst Du ausgerechnet historische Romane?

Weil mich interessiert wie wir zu dem geworden sind, was wir heute sind und wie unsere Vorfahren gelebt haben. Bei der Recherche stoße ich oft auf Parallelen, aber manchmal auch auf große Unterschiede, das ist der Reiz. Außerdem liebe ich Geschichten und Geschichte.



Einer Deiner erfolgreichsten Romane handelt von den Fuggern und spielt im 16. Jahrhundert in Augsburg.

Warst Du schon einmal in Augsburg?

Klar, viele Male. Es ist nach München meine Lieblingsstadt.



Wenn ja, was hat Dich besonders beeindruckt?

Dass die Altstadt so gut erhalten wird, man kann auf den Spuren meiner Hauptfigur „Anna Fugger“ durch die Innenstadt spazieren und fühlt sich ins 16. Jahrhundert versetzt.



Hat sich die Regionalzeitung für Dich bzw. Deinen Roman interessiert? (Immerhin existiert bereits die 3. Auflage.)

Ja, es gab einige Beiträge in (Augsburger) Zeitungen und Zeitschriften.



Seit wann schreibst Du?

Geschrieben, also Geschichten erfunden, habe ich schon immer. Ernsthaft, mit dem Wunsch, diese auch zu veröffentlichen, habe ich 2001 angefangen. Ich habe Krimikurzgeschichten bei Wettbewerben eingereicht. Als diese in Anthologien erschienen, war ich motiviert an einem längerem Text zu arbeiten. Der erste Roman („Das Gedächtnis der Lüge“) entstand.



Welche(r) Autor(in) inspiriert Dich?

Umberto Eco, Wolf Serno, Voltaire, Karl Valentin, Stephen King, J. K. Rowling, Oskar Maria Graf, Michael Ende und jede Woche kommen neue dazu.





Wie und wann recherchierst Du?

Zu Beginn eines Romans und während der vielen Überarbeitungen überprüfe ich ständig die Fakten. Einerseits die geschichtlichen Eckdaten, aber auch das Alltagsleben, z. B. wie sah ein Essen im 16. Jahrhundert aus? Bei einfachen Leuten aus dem Volk und bei den reichen Fuggern. Es gab noch keine Tomate, keine Kartoffel, keine Schokolade. Obwohl hundert Jahre zuvor Amerika „entdeckt“ worden war und damit diese „exotischen“ Früchte nach Europa verschifft wurden, waren sie aber noch nicht in Deutschland kultiviert. Zu Beginn vom „Im Labyrinth der Fugger“ gebe ich dazu dem Leser ein Rätsel auf, was sich wohl hinter einer „Liebesfrucht“ verbirgt. Bei der Recherche lese ich zuerst Sachbücher, aber ich versuche auch immer Leute zu befragen, die sich mit dem Thema auskennen. Sr. Margit, Dominikanerin im Kloster Schlehdorf, erklärte mir wie eine Nonne damals gelebt hat, wie sie sich kleidete (es gab noch keine Knöpfe). Sie zeigte mir auch die Klausur, den abgeschlossenen Teil des Klosters, in dem meine Hauptfigur „Anna Fugger“ zwanzig Jahre ihres Lebens verbrachte.



Wie gehst Du vor? Planst Du Deinen Plot/Story/Szenen und Charaktere vorher?

Anna Fuggers Lebensgeschichte ist historisch belegt. An ihrer Biografie habe ich die weitere Handlung geplant. Viele der anderen Charaktere sind ebenfalls nicht erfunden, sondern ich habe nur die Lücken gefüllt, wenn ich nichts in den Archiven finden konnte. Die zweite Hauptfigur ist Annas Bruder Philipp, mit dem sie eine Haßliebe verbindet und der, im Gegensatz zu ihr, in der Welt herum reisen darf. Auch der Exorzist Pater Canisius hat echt gelebt. Er wurde für seine Taten sogar (1925) heilig gesprochen. Um das Leben abseits „golddurchwirkter Fugger-Tapeten“ zu zeigen, habe ich den Kürschner Kellenbenz erfunden. So lernt der Leser auch das einfache Augsburger Volk kennen und hört, welche Gerüchte über die Fugger im Umlauf waren.


Wie hast Du das Schreiben gelernt?

Durch hartnäckig verbissenes Üben und Überarbeiten. Ich habe Schreibkurse besucht, alle Schreibratgeber durchgearbeitet.



Schreibst Du in mehreren Genres? Welche?

Ja, ich schreibe auch Thriller, die in der Gegenwart spielen. Als „Stephanie Fey“ erscheint „Die Gesichtslosen“ im November im Heyne Verlag.

Ich schreibe auch für Kinder, zwei Kurzgeschichten sind im Esslinger und Coppenrath Verlag erschienen.



Welches Genre fällt Dir am Leichtesten zu schreiben?

Mmh, leicht ist keines, alles harte Arbeit, aber die macht superviel Spaß!


Was tust Du um Kraft zu schöpfen und/oder neue Ideen zu finden?

Malen (ich bin auch Illustratorin, „Im Labyrinth der Fugger“ ist von mir illustriert), Lesen, Radfahren.



Wie viel und was liest Du?

Ich lese ständig, hauptsächlich Kriminalromane, aber auch Gegenwartsliteratur, historische Romane und Kinder- und Jugendbücher.



Wonach wählst Du ein Buch aus?

Wenn mich die Idee der Geschichte anspringt und mich beim Anlesen die Sprache und Umsetzung neugierig macht.



Welche Art Romanhelden/innen bevorzugst Du?

Eigenwillige, hartnäckige Leute.



Reizen Dich (als Leserin) erotische Romane? (Von Recherchegründen einmal abgesehen...)

Eher weniger, aber erotische Szenen in Romanen lese ich gerne.



Wenn ja, warum?

-

Was gefällt Dir in Romanen am Besten?

Ungewöhnliche Einfälle, originelle Figuren, unvergessliche Dialoge.



Was geht gar nicht? Was sorgt bei Dir dafür, dass ein Buch im Ofen landet?

Seitenweise Gelaber, ohne dass es die Handlung voranzubringt.



Wie wichtig ist Sex in Romanen für Dich?

Genauso wichtig wie alles andere, was zum Leben (der Figuren) gehört.


Was sind Abtörner-Szenen? Nicht (nur) auf die Erotik bezogen....

Wenn zuviel verraten wird, die Szenen überfrachtet sind, die Sprache beliebig und die Wörter abgenutzt sind.



Welchen Plot bevorzugst Du in einem Roman?

Den spannenden, der mich ans Buch fesselt.



Als Autorin historischer Romane kennst Du Dich mit den geschichtlichen Gegebenheiten aus. Würde es Dich reizen in den entsprechenden Zeiten zu leben?

Eher nicht, ich lebe gerne im Hier und Jetzt mit all seinen Bequemlichkeiten, z. B. dass das Fahrrad schon erfunden ist, und reise lieber nur in meiner Fantasie in die Geschichte.


Rebecca, vielen Dank für das Interview! :-)

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