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Samstag, 16. Juli 2011

Cassandra Norton - Gefangene des Scheichs

Bei einem längst überfälligen Besuch bei der Kosmetikerin - meine Nägel mußten gefeilt, Zähne rasiert werden - traf ich im elegant eingerichteten Vorraum Cassandra Norton, der Autorin von "Gefangene des Scheichs".
Natürlich konnte ich wieder einmal nicht an mich halten und stürzte mich auf die Arme!
Wieder hatte sich eine Erotikautorin in meinen - wenn auch kurzen - Klauen verfangen.





Warum schreibst Du ausgerechnet Erotikromane?
  • ich schreibe prinzipiell die Bücher, die ich auch selbst gerne lesen möchte. Erotik oder Spannung. (oder beides.)

Seit wann schreibst Du?

  • - ich schreibe, seit ich ca. 10 Jahre bin.








Erotikautorinnen sind Sexbomben: Vollbusig, blond, sexuell freizügig und haben selbstverständlich all die Sexspielchen, die sie beschreiben, selbst ausprobiert. Was hältst Du von diesem Klischee?

  • - dieses Klischee taucht immer wieder auf. Wäre ja cool, wenn es stimmen würde, aber dann würden auch sämtliche Thrillerautoren vom Gefängnis aus schreiben ... ( ;-) ); Wenn ich erotische Szenen schreibe, mische ich eigene Erfahrungen und Fantasie. Manchmal kommen auch Dinge hinzu, die mir Leute erzählt haben, die ihnen widerfahren sind.

Welche Autoren/innen inspirieren Dich?

  • - welche Autoren mich inspirieren? Jetzt wird´s vielleicht strange, aber zu diesen Autoren zählen Jane Austen, Emily Bronte, Yukio Mishima. Vielleicht eine etwas krude Mischung, aber wirklich spannend.





Wie und wann recherchierst Du?

  • ich recherchiere praktisch immer. Nichts, was ich lese, sehe oder höre wird ignoriert. Und jeder, der mit mir zu tun hat, geht das Risiko ein, eines Tages in einem meiner Bücher aufzutauchen. Kann man die Person erkennen, frage ich vorher bei demjenigen um Erlaubnis. Was bisher noch niemand verweigert hat. im Gegenteil. Der eine oder andere fragt: "Und wann tauche ich mal auf?"




Wie gehst Du vor? Planst Du Deinen Plot/Story/Szenen und Charaktere vorher?

  • -- zu meiner Vorgehensweise: wenn mich ein Thema gepackt hat, versuche ich zuerst alles zu diesem Thema zu finden und zu lesen. wenn möglich besuche ich Schauplätze auch selbst. lasse die Situation auf mich wirken und mache endlose Notizen auf jeden möglichen Schnippel. steht der beginn der Geschichte vor meinem inneren Auge, beginne ich, an dem Exposé zu arbeiten, das den groben Handlungsablauf beinhaltet. habe ich ein Problem mit dem Ablauf, mache ich lange Spaziergänge mit meinem Hund. da lösen sich meistens die knoten.
  • für mich ist ein Roman wie ein Film. ich sehe die Szenen vor mir, habe einen Eindruck von den Figuren. so brauche ich die Szenen nur noch beschreiben, die ich sehe. (deswegen sagen die Leser wohl auch, bei meinen Büchern hätten sie perfektes Kopfkino ...)
  • Lustigerweise korrigiere ich auch einmal Geschriebenes so gut wie nicht mehr. Im Prinzip schreibe ich druckreif. ;-)


Wie hast Du das Schreiben gelernt?

  • ich "lerne" Schreiben immer noch. Das hört nie auf. Ich habe schon immer sehr viel gelesen und viel Filme geschaut. Vielleicht klingt es merkwürdig, aber auch von guten Filmen kann man "schreiben" lernen. wie eine Spannung aufgebaut wird, wie Perspektiven wechseln. Wichtig beim Schreiben-lernen ist auch ein gutes Lektorat. eine Lektorin, die den Finger auf eine Wunde legt und Anregungen gibt, wie man etwas anders, besser machen kann. Ein guter Autor in meinen Augen, ist immer offen für Ratschläge.


Schreibst Du in mehreren Genres? Welche?

  • - mein Hauptgenre ist die Erotik. Dennoch merke ich, dass sich die Gewichtung ändert. Bei meinen Büchern für Blue Panther Books steht eindeutig der Sex im Vordergrund, aber ich gewinne auch immer mehr Vergnügen daran, den Schwerpunkt z.B. auf die Thriller-Handlung zu legen. Da ist dann der Sex untergeordnet. oder wie z.B. In meinem aktuellen Roman "Gefangene des Scheichs", da liegt eigentlich der Schwerpunkt auf der Abenteuer- bzw. Liebesgeschichte.
  • (wobei die Heldin noch immer genug Sex hat ... ;-) )




Welches Genre fällt Dir am Leichtesten zu schreiben?

  • - kein Genre ist "leicht" zu schreiben. Sexszenen machen allerdings SEHR viel Spaß und sie sind dann richtig gelungen, wenn sie mich schon beim Schreiben selbst anturnen.
  • Vom Prinzip her braucht man immer eiserne Disziplin. Das unterschätzen viele Autoren gerade am Anfang ihrer Karriere.
  • Und bei historischen Genres ist die Recherche das A und O. Da bin ich extrem anspruchsvoll. Was ich bei so einem Roman auch (be)schreibe - die LeserInnen können immer davon ausgehen, dass jedes Detail korrekt ist. (Das geht so weit, dass ich mal recherchiert habe, wann die ersten Zigaretten in Europa aufgetaucht sind, oder wann der Reißverschluss auf den Markt kam ...)




Was tust Du um Kraft zu schöpfen und/oder neue Ideen zu finden?

  • - wie gesagt, neue Ideen finde ich immer und überall. Selbst Zeitungsartikel inspirieren mich. Kraft schöpfe ich z.B. in Diskussionen. Wenn ich mit jemandem eine richtig gute, unter Umständen sogar stundenlange Diskussion führen kann, blühe ich auf.





Wie viel und was liest Du?

  • - ich lese nicht so viel wie früher. Dazu habe ich oftmals einfach nicht die Zeit. Also wähle ich meine Lektüre meistens unter dem Gesichtspunkt aus, ob sie Quelle für ein Buch sein kann. Ich lerne gerne neues über Menschen. Über die menschliche Natur. Zu was sind Menschen unter welchen Umständen fähig. Immer natürlich auch historische Sachbücher. Historische Mode ist meine absolute Leidenschaft. (Das merkt man, denke ich, oftmals, wenn ich in meinen Büchern die Kleidung der Figuren beschreibe ... Das sind immer real existierende Stücke und wenn mich jemand fragt, kann ich ihm sogar sagen, wo man sie sehen kann ...)




Welche Art Romanhelden/innen bevorzugst Du?

  • - ich bevorzuge immer gebrochene, schwierige, starke Charaktere in Büchern. Menschen in Ausnahmesituationen.




Würdest Du im realen Leben den Romanhelden als Mann für´s Leben wollen?

  • - ich fürchte, Romanhelden sind wenig alltagstauglich. Sie beflügeln unsere Fantasien. Aber seien wir mal ehrlich: wer kann sich Heathcliff aus Wuthering Heights vorstellen, wie er den Müll rausträgt oder zum Elternabend marschiert ... ;-)





Reizen Dich (als Leserin) erotische Romane? (Von Recherchegründen einmal abgesehen...)

  • - ich liebe gute erotische Romane. Wobei die Sexszenen dann auch wirklich explizit sein müssen. Aber auch bei ihnen will ich etwas über Menschen lernen. Deswegen hat mich von Denis Robert "Das Glück" auch gepackt und nicht mehr losgelassen, seit ich das Buch das erste Mal gelesen habe. Oder "Hotel Iris". Beides wunderbare Romane mit komplexen Figuren. Sehr gute Sex- Szenen und wirklich auf den wahren Kern reduzierte Menschen. Eine beinahe karge Sprache, die das Wesentliche beschreibt.
  •  
Was gefällt Dir in Romanen am Besten?

  • - in Romanen mag ich am liebsten das Ende. Wie auch in Filmen. Wenn das Ende stimmt, sehe ich auch über den einen oder anderen Hänger im Buch hinweg. Ein Buch muss mich überraschen, sprachlich und inhaltlich. Und es muss mich noch lange nach der letzten Seite beschäftigen. Außerdem muss es das enthalten, was ich "wahre Sätze" nenne. Sätze, die man liest und wo man sagt: genau so ist es! (ein Roman, der mich nicht mehr loslässt, ist z.b. "Winter in Maine")






Was geht gar nicht? Was sorgt bei Dir dafür, dass ein Buch im Ofen landet?

  • - schlecht geschriebene Bücher landen im Müll. Wenn der Autor sich keine Mühe mit Formulierungen gibt. Was ich auch nicht mag, sind Supernaturals. also Gestaltwandler, Engel, Vampire etc. Für meinen Geschmack kam nach Bram Stoker nichts Vergleichbares mehr auf den Markt. (wie sagt mein Freund da immer so schön: "Vampire glitzern nicht!") in diesem Vampir- buch wurde alles gesagt. Sprachlich, handlungstechnisch, was die Figurenzeichnung angeht - Stoker ist nicht zu toppen.
  • ich mag auch keine ripp- offs. Wenn ein Buch in einem Genre super- erfolgreich war und dann zweit- und drittklassige Autoren (oftmals noch dazu mit miesen Übersetzungen) hurtig irgendwelche Plagiate auf den Markt werfen. Grrrrr ... da kriege ich Magenweh!





Wie wichtig ist Sex in erotischen Romanen für Dich?

  • - der Sex in erotischen Romanen ist das A und O. (Sonst müsste man sie ja nicht lesen). Aber die Sexszenen müssen in den Kontext passen. Wobei das Drumrum auch stimmen muss. Ich will keinen erotischen Roman lesen, wo ich blättere, nur um zu den Sex- Szenen zu kommen, weil der Rest unbrauchbar ist.





Welche Sexszenarien gefallen Dir am besten?

  • - das mit den Szenarien ist eine Gewissensfrage ... Ich mag es, wenn es richtig zur Sache geht. Gerne auch mit einem Hauch Gewalt. Aber so, dass die Figur, der die Gewalt widerfährt, es genießt. also eher so der S/M-Bereich.

Was sind Abtörner-Szenen?

  • - Abtörner- Szenen sind immer schlecht beschriebene, langweilige Szenen. Szenen, bei denen ich denke: "joooo ... tausend Mal gelesen, gesehen, gehört. Nix neues."





Wie lange sollte eine gute Erotik-Szene sein?

  • - die Länge ist unerheblich. in "Das Glück" bestehen die Szenen teilweise nur aus wenigen Zeilen, aber sie genügen, um das Kopfkino in Gang zu setzen. (Zugegeben - das Buch ist auch eine Ausnahme ...)





Welchen Plot bevorzugst Du in einem Erotikroman?

  • - es gibt keinen wirklich bevorzugten Plot. Höchstens insofern, als ich es mag, wenn das zentrale Paar Hürden überwinden muss. Wenn es Brüche gibt, Missverständnisse, Zerwürfnisse. Ich mag auch den historischen Plot. Ich liebe es, wenn ich über eine bestimmte Epoche recherchiere und herausfinde, dass die Wirklichkeit nicht mit dem Bild übereinstimmt, das ich vorher über diese Zeit hatte. (Bei meinen Recherchen habe ich übrigens gemerkt, dass uns die Briten da weit voraus sind. Man findet im englischsprachigen Bereich fantastische Sekundärliteratur z.B. zum Alltagsleben in früheren Zeiten ...)
 Hast Du jemandem schon mal inkognito eins Deiner Bücher empfohlen?
  • Nein! Niemals! Im Gegenteil - wenn mich jemand nach einem guten erotischen Roman fragt, dann empfehle ich immer Bücher, die mir persönlich wirklich gefallen haben. da die Leute meistens wissen, was ich mache, werde ich dann auch gefragt, welches von meinen ich empfehlen würde, dann gebe ich natürlich Antwort. ;-)

Liebe Cassandra, vielen Dank für das Interview!

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