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Mittwoch, 17. August 2011

Zwischen Skorpionen und anderem Ungetier: Stephanie Madea "Night Sky 01 - Sklave des Blutes"





Meinen Informationen zufolge sollte ich die flüchtige Stephanie Madea, auch bekannt als Stephanie Bösel auf Zypern dingfest machen können.
Es war nicht einfach ihren Aufenthaltsort ausfindig zu machen, doch letztendlich stellte ich sie auf 500 m Höhe.
Ein heißer Wind wehte mir ins Gesicht, trug den Duft von wildem Honig, Meer und Pinien heran. Beinahe bedauerte ich, beruflich hier zu sein. Mir stand der Sinn nach einer Pina Colada am Hotelpool, aber nicht, hier in der Botanik eine entflohene Autorin zu jagen. Mit nichts bewaffnet als einem Diktiergerät und anderem Krimskrams - eine Kontrolle meiner Handtasche beförderte Moskitospray, Sonnencreme und Kaugummi hervor. 
Mit einer großzügigen Ladung Spray eingenebelt, fand ich schließlich Stephanie Madeas Versteck:
Umgeben von Schlangen, Skorpionen und Zikaden versuchte sie, mir zu entkommen.
Vergebens ...
Auch sie - wie all die anderen vor ihr -  mußte mir Rede und Antwort stehen:


Interview

Du lebst auf Zypern. Was hat Dich und Deinen Mann dazu bewogen auszuwandern?

Die Auswanderung war ein lang gehegter und gepflegter Traum, den wir verwirklichen wollten, bevor uns „irgendetwas“ daran hindern konnte. Viele, mit denen wir uns vor und nach diesem Unterfangen unterhielten, erzählten, dass sie auch gern auswandern würden, aber dies und das, Wichtiges und Unwichtiges sie davon abgehalten hätte – und jetzt wäre es zu spät. Da ich das Glück habe, einen zuverlässigen und lieben Mann an meiner Seite zu wissen, hatte ich nie Bedenken diesen Schritt zu wagen. Wir planten und sparten mehr als drei Jahre lang, eigneten uns so viel Wissen über Zypern an wie möglich, stopften alles in einen 20’Container und wanderten im Mai 2007 aus.

Wir lieben die Sonne und die Wärme (ich bin eine waschechte, norddeutsche Frostbeule, die weder mit kalten Füßen schlafen noch mit eisigen Fingern schreiben kann ). Wir sind beide selbstständig, benötigen zum Arbeiten „nur“ jeder ein Büro, Computer, Internet und Ruhe. Wir genießen jede freie Minute in der Natur, die uns hier vollumfänglich umgibt. Zudem erweitert ein andersartiges Leben den Horizont und das Schöne am Schreiben wie am Leben ist doch, dass man niemals ausgelernt hat. All dies und sicherlich noch vieles mehr hat uns bewogen, auf die Sonneninsel auszuwandern.





Was ist am Leben auf Zypern anders als in Deutschland?

Obwohl die Arbeit im Büro dieselbe geblieben ist, ist der Alltag ein anderer. Es beginnt damit, dass man aus dem Bett steigt und vergessen könnte, sich anzuziehen, weil es einfach so wunderbar warm ist. ;) Und endet mit der Sonne, die im Sommer spätestens um 20 Uhr und im Winter um 16:30 Uhr untergeht, sodass man am späten Nachmittag denkt, es wäre bereits mitten in der Nacht und Zeit zum Schlafen.

Ich lebe auf einem Berg in ungefähr 500 Metern Höhe, umgeben von nur ein paar Häusern, aber hauptsächlich von Natur. In dieser Stille ist u. a. „Sklave des Blutes“ entstanden und werden auch noch viele weitere Bücher entstehen.

Im Sommer sind die Zikaden so laut, dass meine Eltern sie durchs Telefon hören, obwohl ich im ersten Stock im Büro sitze. Ja, die Tierwelt … aufregend, gefährlich, vollkommen anders als in Deutschland. Schlangen, von harmlos bis tödlich, paaren sich im eigenen Garten, Skorpione, Vogelspinnen und Hundertfüßer streben gen Abend in die Häuser (die nicht dem deutschen Standard entsprechen ;)) Füchse, Prozessionsraupen, Hornissen, Gottesanbeterinnen, riesige Wanderheuschrecken leben mit dem Menschen Tür an Bau. Ich hätte nicht gedacht, dass man sich über die Jahre an all das (fast) gewöhnt.

Die Zyprer sind ein sehr angenehmes Völkchen. Ich sage immer, eine Mischung aus Engländern und Griechen, ein Mix aus vornehmer Pünktlichkeit und Haare raufender Gelassenheit … man weiß nur nie, wer die Oberhand hat. ;) Auf jeden Fall lächeln die Zyprer, wenn man ihnen auf der Straße begegnet.

Einige Dinge sind sehr viel teurer als in Deutschland, andere sehr günstig. Auf jeden Fall ist das Leben hier lebenswert und ich möchte es nicht mehr missen.





Gibt es etwas, das Du an Deutschland vermißt?

Oh ja! Meine Familie! Meine Freunde! Den Stracciatella-Joghurt von Lidl . Aber zum Glück hat ja nun endlich ein Lidl „nur“ 40 km entfernt eröffnet. Aber ansonsten bin ich ein genügsamer Mensch, der sich gern Neuem zuwendet und sich mit Gegebenheiten arrangiert.



Du schreibst gerne über Vampire.  Worin liegt die Faszination für die Blutsauger - für Dich und Deiner Meinung nach für die Leser?

Ich finde es witzig, dass ich das immer wieder gefragt werde. Gegenfrage: Wie kann man diese unnachahmliche Mischung aus Gefahr und Sex-Appeal, Kraft und Zurückhaltung nicht faszinierend finden? ;) In der Night Sky Trilogie habe ich mich bewusst für Vampire entschieden, weil sie mir am geeignetsten für die gefühlvollen Liebesgeschichten und die herzergreifende Hintergrundgeschichte erschienen. Meine Vampire gehen mir unter die Haut. Sie leben leidenschaftlich oder gar nicht. Ihre Gefühle sind tief greifend, animalisch, ursprünglich. Sie brodeln wie Lava in einem verschlossenen Vulkan und ich darf am Drücker sitzen und die Hitze der Lust zum Überquellen bringen. Vampire besitzen von Natur aus eine mystische Anziehungskraft. Das gepaart mit dem Risiko, das von ihrem Wesen ausgeht und mit dem attraktiven und weltgewandten Mann, der einen in erotische Sphären schickt, ist beinahe unschlagbar. Ich habe mich auf Vampire eingelassen, weil sie mich betören, doch weiß ich genau, dass ich diese Begeisterung ebenso einem Engel, einem Zwerg oder einem Menschen schenken kann.





Du hast zusammen mit Susanne Strecker die "Schreibstilratgeber" vom Sieben Verlag geschrieben. Lektorierst Du auch?

Ja, korrekt, den 2. und 3. Band der Schreibstilratgeber-Serie haben wir zusammen geschrieben. Auf der zur Serie gehörenden Website http://www.schreibstilratgeber.com/ bieten wir unter anderem Lektorate an und durften schon einigen Leuten behilflich sein. In der Autorenwerkstatt, dem Forum der www.schreiblabor.com Seite, lektoriere ich ebenfalls. Ansonsten lese ich privat die Romane meiner Freunde und helfe ihnen sowie sie mir.





Da Du diese Ratgeber mit verfaßt hast: Fällt es Dir leicht deine eigenen Texte zu überarbeiten?

Hm … Durch die Arbeit an den Schreibstilratgebern konnte ich mir sehr viel zusätzliches Wissen aneignen, das ich größtenteils anwenden kann oder jedenfalls weiß, wo die Lösung steht. Dennoch bin ich ebenso betriebsblind, was meine eigenen Texte betrifft wie viele andere Autoren. Ich überlese immer und immer wieder denselben Fehler und wenn mich jemand darauf aufmerksam macht, kann ich darüber nur den Kopf schütteln. Ich lese einfach das, was ich denke, das dort stehen müsste.

Es hilft, den Text lange (meiner Erfahrung nach länger als ein halbes Jahr) liegen zu lassen oder ihn rückwärts zu lesen. Für beides ist oft leider nicht genügend Zeit. Doch insgesamt wird man mit jedem geschriebenen und/oder korrigierten Buch ein winziges Stückchen besser und man weiß irgendwann, worauf man zu achten hat.





Liest Du Bücher mit den Augen der "Schreibstilratgeber"-Autorin oder als "normale" Leserin?

Beides. Lese ich einen Text mit dem Hintergrund, etwas zu lernen oder zu erfahren, bin ich aufmerksam und mir fallen Fehler auf. Begebe ich mich ins Bett, tauche in einer Geschichte ab, dann lasse ich den Inhalt auf mich wirken und ich überlese Fehler absichtlich oder sie fallen mir gar nicht auf.

Aber deine Frage hat mich schmunzeln lassen. Denn seitdem ich das Schreiben von Büchern als meinen Beruf betrachte, ist das „einfach so dahinlesen“ sehr rasch in den Hintergrund verdrängt worden. Szenen, Sätze, Worte werden analysiert und durchdacht. Auf irgendeiner Website eines Schriftstellers las ich, dass ein Autor 24 Stunden am Tag am Arbeiten ist, weil die Gedanken niemals stillstehen, alles aufgenommen und nach Brauchbarkeit gefiltert wird. Sogar im Traum. Ich stimme ihm zu.





Du schreibst in verschiedenen Genres. Welches bereitet Dir am meisten Schwierigkeiten?

Wenn ich nur schreibe „keines“, klingt das etwas seltsam, deshalb versuche ich, es zu erklären. Meine Geschichten bauen sich hauptsächlich auf den Charakteren auf. Ihre Vergangenheit, ihre Natur, ihre Erfahrungen, ihre Beziehungen, ihre Freuden und Leiden bestimmen, wo es in dem Roman langgeht. Ob es sich nun um ein Kind auf einer fantastischen Reise in eine fremde Welt handelt, einen Vampir, der eine Menschfrau liebt und ihr nicht zu nahe kommen darf, einen Großvater, der am Sterbebett seinem Enkel eine Zeitmaschine hinterlässt oder einen Profiler auf Verbrecherjagd … ich fühle mich in die Person ein, werde zu ihr und schreibe.

Die Recherche gestaltet sich gewiss unterschiedlich und doch ist für ein Fantasy-Epos ebenso viel vonnöten wie bei einem Psychothriller. Stoße ich auf Schwierigkeiten, bereitet es mir als sturem Stier Vergnügen, so lange daran zu arbeiten, bis das Problem geknackt ist.





Hast Du ein Patentrezept  gegen Schreibblockaden?

Für mich, ja. Pausieren und dann schreiben.

Oft sitzt man vor dem leeren Blatt und ebenso leer ist der Kopf. Die Szene will keine Gestalt annehmen, der Protagonist hat nichts zu sagen …

Ich gehe in solchen Momenten spazieren, duschen, im Garten werken oder schwimmen, schalte ab und denke erst einmal an gar nichts. Dann versuche ich, meine Gedanken auf die Szene zu lenken. Meist ist es, als träfe mein Gehirn nach dieser Pause ein Blitz, ein Funke springt über und meine Figur agiert und plappert drauf los.

Das sind die Augenblicke, in denen ich nach Stift und Papier rufe oder nass oder verschmutzt in mein Büro laufe und - schreibe.

Ich glaube, egal wie man es vorbereitet, das Wichtigste ist, einfach etwas niederzuschreiben. Man kann alles löschen, aber oft stößt ein Satz den nächsten an und am Ende bleiben hoffentlich ein paar Sätze übrig, die es wert sind, sie stehen zu lassen.





Wie sieht ein typischer Arbeitstag aus?

Ich stehe zwischen acht und zehn Uhr auf, setze mich mit meinem Kaffee an den Computer und beginne zu arbeiten. Wie der Tag sich gestaltet, hängt von den Umständen ab. Auf jeden Fall versuche ich, Wichtiges morgens zu erledigen und gönne mir erst meine Mittagspause, wenn ich es erledigt habe. Sozusagen den inneren, faulen Schweinehund austricksen. ;) Nach der Pause in der Küche, dem Garten oder etwas länger beim Einkaufen, gehe ich zurück in mein Büro und arbeite bis abends. Bis 22 Uhr, wenn es einen Filmabend gibt , ansonsten bis ungefähr 24 Uhr. Je nachdem wie tief ich im Bett in der Welt eines anderen Schriftstellers versinke, schlafe ich zwischen ein und drei Uhr ein.





Wie viele Stunden täglich schreibst Du?

Ich schreibe an sich fast die gesamte Zeit. Interviews ausfüllen ;), E-Mails, Nachrichten, Forumseinträge beantworten, Kommentare beim Lektorieren verfassen, Neuigkeiten auf Webseiten, bei Facebook etc. posten u. v. a. m. Aber bestimmt meinst du das Schreiben an dem aktuellen Roman. Das schwankt sehr stark zwischen zwei und fünf Stunden (ohne Korrigieren).



Gibt es etwas, für das Du alles stehen und liegen lassen würdest?

Spaßhaft geantwortet: Gummibärchen, Mamas Zucchinigemüse und Sonne. Ansonsten würde ich mein Leben, meinen Partner, meine Katzen niemals für irgendetwas eintauschen.

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