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Dienstag, 11. Oktober 2011

Kerstin Gier - Auf Du und Du mit Esel und (Rampen-)Sau

Wieder brach ein Tag herein ... völlige Ereignislosigkeit gepaart mit Langeweile ließen mich erschaudern.

Was sollte ich nur anstellen? Wen um ein Date bitten?

Mir war nach Humor, Unterhaltung und einer Gleichgesinnten.
Warum nicht so wagemutig und eine andere Autorin um ein Interview bitten?

Tatsächlich ließ sich Kerstin Gier bezirzen, mit mir zu sprechen :-) , allerdings erst nachdem ich das Oberhaupt der Müttermafia, Constanze , in der Insektensiedlung aufgesucht hatte und mir ihre Erlaubnis mit Schokolade und Wein erkaufte. ;-)


Auf der anderen Seite ist das Gras viel grüner: Roman
Daraufhin verabredeten wir uns im Zoo.

Zwischen Esel-Gehege und Rampensau-Pferch wartete ich auch Kerstin, die kurz darauf vom Himmel segelte.
In der Hand einen großen Schirm und unter den Arm gequetscht eine große Doktortasche, die Mary-Poppins der humorvollen Frauenromane.



Interview


Kerstin, wie hat Deine Karriere als Autorin angefangen?

 Mit einem Manuskript, das aus Briefen an meine Freundin entstanden ist. "Männer und andere Katastrophen". Damit die Freundin sich nicht langweilte, habe ich immer mehr dazu erfunden, und schließlich war es so derart erstunken und erlogen, dass ich einen Roman daraus gemacht habe. Genau zu einer Zeit, in der ich nach dem Studium um, sagen wir mal, berufliche Orientierung bemüht war. Der Beruf einer freiberuflichen Schriftstellerin war immer mein geheimer Traum, und deshalb war ich sehr glücklich, dass ich ihn so früh verwirklichen konnte.



Hast Du Deine Manuskripte an viele Verlage schicken müssen?

Nein. Ich hatte es nur dem Bastei-Lübbe-Verlag gegeben, und die wollten es auch sofort haben und haben mir im selben Jahr zwei Folgeverträge angeboten. Glücklicherweise.




Wolltest Du schon einmal in einem anderen Genre schreiben?

Nein, ich glaube, ich bin bei den Komödien ganz gut aufgehoben, egal ob für Erwachsene oder für Kinder.




Wie viel Kerstin Gier steckt in Deinen Romanen?

 Immer ein bisschen - das geht ja auch gar nicht anders. Ich verteile aber meine guten und schlechten Charaktereigenschaften gleichmäßig auf alle Figuren, wenn ich kann.



Bist Du privat auch ein lustiger Mensch oder eher nicht?

Manchmal.



Wie können wir uns einen typischen Arbeitstag in Deinem Leben vorstellen?

Laaaangweilig: Aufstehen, Kind wecken, frühstücken, schreiben, Mittagessen kochen, Essen, Hausaufgaben betreuen, Mama-Taxi spielen, Mails und Interviews beantworten, Recherchieren, bei Facebook rumgammeln, ups, und dann ist es auch schon Zeit für das Abendessen. Im Idealfall ist danach Feierabend ... die Hausarbeit wird irgendwann zwischendurch erledigt (oder eben gar nicht), es kommen durchaus gute Ideen, wenn man Handtücher zusammenlegt.



Bist du eine organisierte Schreiberin oder arbeitest Du eher drauflos und bringst Deine Manuskripte hinterher in Form?

Nein, ohne eine gründliche Planung fange ich gar nicht an.

  

Was oder wer inspiriert Dich?

Geschichten aller Art inspirieren mich - ein Leben ohne Bücher kann ich mir nicht vorstellen. Filme mag ich auch. Und Musik.



 Hörst Du Musik beim Schreiben?

Manchmal, ja, um bei bestimmten Szenen in eine bestimmte Stimmung zu kommen.



Wie sieht dein Schreibplatz aus?

Nichts Besonderes: Bildschirm, Tastatur, Bücher, Papier, Stifte, Krempel. Und meistens eine Katze, die die Stifte mit ihren Pfötchen runterschmeißt.



Hast Du Kinder?

Einen zwölfjährigen Sohn, der leidenschaftlicher Leser von Gregs Tagebüchern ist, aber sonst leider Lesen noch nicht als Hobby entdeckt hat.




Hast Du Haustiere?

Ja. Zwei Tigerkatzen namens Mim und Merlin.



Du hast dieses Jahr eine aufregende Urlaubsreise unternommen. Wohin ging es und was war das interessanteste Erlebnis?


Ich durfte diesen Sommer mit meiner wunderbaren Agentin und meiner Familie nach New York fliegen und mich dort u.a. mit den amerikanischen Verlegern der Edelsteintrilogie treffen. Eine herrliche, aufregende und schlaflose Woche haben wir in New York verbracht, dann ging es auf der Queen Mary 2 zurück über den Atlantik. Die Passage habe ich uns mit einer Lesung verdient. Das war auch großartig, unterwegs haben wir Wale gesehen und Delphine und die schönsten Sonnenuntergänge ever.



Kannst Du noch unerkannt einkaufen gehen?

Na klar, das ist ja das Gute am Schriftstellerdasein, wenn überhaupt, dann kennen die Leute die Bücher, aber nicht den Menschen, der sie geschrieben hat. Man muss sich höchst selten auf roten Teppichen sehen lassen und sitzt ja überwiegend im stillen Kämmerlein :-)

  

Was ist das tollste, das Dir seit Deiner Laufbahn als Autorin passiert ist? (von der Erstveröffentlichung mal abgesehen.  )

Schwer zu sagen, was das Tollste war: Es gab einige Begegnungen mit Lesern, die mich unheimlich berührt und gefreut haben, außerdem war es ein großartiges Gefühl, das eigene Buch das erste Mal unter den Top 20 der Spiegelbestseller zu sehen. Und dieses Jahr, als ich die amerikanischen Verleger von "Ruby red" in New York kennen lernen durfte, war ich auch seeehr glücklich.



Im Zuge der Frankfurter Buchmesse geht es durch diverse Medien, daß Autoren öffentliche Personen sind, die aus der Schreibstube hinaus in die Welt müssen, um erfolgreich zu sein.

Wie siehst Du das? Wie wichtig ist es, Interviews zu geben, auf verschiedenen Plattformen (Facebook, Twitter z.B.)  online zu sein und Lesungen abzuhalten?

Ich glaube, dass es nichts schadet, wenn man sich auch "da draußen" präsent zeigt und mit den Lesern in direktem oder indirektem Kontakt steht. Das macht ja auch sehr viel Spaß. Allerdings ist es natürlich auch zeitaufwendig, man kann sich vor allem mit Facebook und Co. sehr schnell verzetteln. Und das geht dann auf die Schreibzeit ...



Welchen Tipp hättest Du für jemanden, der veröffentlicht werden will?

Ich glaube ja fest daran, dass man Erfolg hat, wenn man genau das schreibt, was man selber am liebsten lesen würde.



 Was rätst Du jemandem, der seine Erstveröffentlichung erreicht hat?

 Jetzt geht es ja erst richtig los. Also: Einfach dranbleiben, den Spaß nicht verlieren ...



Liebe Kerstin, vielen Dank für das Interview!

Danke, ebenfalls.


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