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Samstag, 31. Dezember 2011

Budo, Federkiel und Wanderstock - mit Axel Gora unterwegs.

Produkt-InformationHallo meine Lieben,

wie ihr euch vielleicht erinnern könnt, war ich auf meinem Weg zu Petra Schier eine Weile verschüttet, während ich darauf wartete gefunden zu werden, suchten mich Visionen diverser asiatischer Großmeister heim. Lao Tse zum Beispiel wedelte sehr aufdringlich mit folgendem Buch:

Als nächstes zerrte Kopernikus äußerst spöttisch mit den Augen rollend an meinem Ärmel und ermahnte mich, des "Duell der Astronomen" zu gedenken. Verflucht noch mal, ich hatte etwa zwei Tonnen Geröll über mir und sollte mich mit irgendwelchen Zweikämpfen und asiatischen Weisheiten auseinandersetzen?
Meine Halluzinationen waren auch schon mal besser!
Produkt-InformationJa, und da passierte es: Jackie Chan spazierte durch mein Gefängnis, das plötzlich die Größe einer mitteleuropäischen Kathedrale hatte, auch er redete auf mich ein. Da ich jedoch kein Chinesisch spreche, verstand ich kein Wort!
Ich kann nur vermuten, was er wollte, den er verbeugte sich und reichte mir ein Buch: "Die Versuchung des Elias Holl"


Während ich noch konfus auf das Buch starrte, beugte sich Jackie Chan vor und sagte: "Axel", und noch einmal: "Axel"
Ich war mir ziemlich sicher, daß er wollte, daß ich Kontakt zu Axel Gora aufnehme.
Charmant wie ich nun einmal bin - und weil Axel in Augsburg lebt - fast schon ein Nachbar von mir ist - konnte ich ihn in diesem Fall sogar real belästigen und verfolgen ;-) 

Erwähnte ich schon, daß ich charmant sein kann, wenn ich will? Axel gab nach und ließ sich interviewen :-)




Interviewfragen:
Deine Biographie liest sich interessant. Was bist Du? Buddhist, Budomeister, Autor, oder doch eher der Autor auf der Walz durchs Leben?
Ich bin kein konvertierter Buddhist. Als Freigeist bin ich Synergist und verknüpfe die Lehren.
Budômeister bin ich definitiv, denn es ist seit 22 Jahren mein Beruf. Autor bin ich ebenfalls; und da schließen sich wieder die Kreise: Eben Synergien schaffen.
Was die Walz im engsten Sinn des Wortes angeht – die ist lange her (1983-1986) und der Roman „Zehntausend Meilen“ liegt auch schon Jahre (1998) zurück. Im weitesten Sinne ist das Leben eine innere und äußere Wanderschaft, bei dem einen mehr, bei dem anderen weniger.
Wie (und wann) hast Du zum Buddhismus gefunden?
Durch ein Buch des Zenmeisters Deshimaro Roshi, 1979. Ich war 16 und hatte schon seit sechs Jahren Budô praktiziert. Wenn man sich dann näher mit den Hintergründen von Budô (der Überbegriff für die japanischen Kampfkünste)
befasst, stößt man unweigerlich darauf. Ob man es dann praktiziert, ist eine ganz andere Geschichte.
Was reizt Dich am Buddhismus? Welche buddhistische Richtung ist Deine?
Ich neige zum Zen-Buddhismus, wobei eine Trennung in die drei Hauptrichtungen Hinayana, Mahayana, Vajrayana (Der Vajrayana zählt eigentlich zum Mahayana) für mich nicht so erheblich ist; auch hier schaffe ich Synergien.
Reizen tut mich – u. a. - das Prinzip der Eigenverantwortlichkeit – es gibt keinen Gott, der für dich was tut oder sein lässt.
Bokken: Das hölzerne Schwert der SamuraiWas schreibst Du lieber: Sachbücher oder historische Romane?
Beides ist für mich interessant und herausfordernd, weil es zwei unterschiedliche Anforderungen sind. Bei Sachbüchern geht es wie der Name schon sagt – sachlich zu – da dominiert das Argumentative. Bei den historischen Romanen ist es die sprachliche Auseinandersetzung, verknüpft mit der Fiktion von Charakteren und der Geschichte. Das ganze sollte noch verbunden sein mit einer oder mehreren tiefergreifenden Botschaften und Werten – dann könnte daraus Literatur werden.



Wie lange brauchst Du von der Entwicklung einer Idee bis zum Vollenden des Manuskriptes?
Für die ersten Projekte habe ich ein bis zwei Jahre gebraucht. Mit der Zeit und zunehmender Erfahrung werde ich routinierter und schneller. Zudem weiß ich durch meinen Budô-Beruf meine Kräfte zu bündeln. Bei meinem aktuellen historischen Roman „Die Versuchung des Elias Holl“ sind von der Idee bis zum letzten Satz des über 400 Seiten starken Werks nur sechs Monate verstrichen. Das war aber ein Sonderfall, ich habe sieben Tage die Woche Szenen entwickelt, geschrieben und nebenbei recherchiert.
Wo schreibst Du?
Ich gehöre nicht zu den Autoren, die sich mit dem Laptop ins Café zum Schreiben setzen. Ich arbeite ausschließlich in meinem Arbeitszimmer, weil ich absolute Ruhe brauche.
Wie und wann recherchierst Du?
Die Recherche beginnt im Vorfeld und kann bis zum letzten Satz andauern. Bei der Recherche gibt es keine Geheimnisse, ich mache es wie jeder andere Autor: Sekundärliteratur, Internet, vor Ort, Vorträge und Gespräche/Hilfe mit/von Fachleuten, wobei ich beim Holl-Projekt von einer hiesigen ,Hochkaräterin‘, die ich angemailt habe, einen Korb bekommen habe.
Produkt-InformationKannst Du vom Schreiben leben?
Ich gehöre zu der Gruppe von Autoren, die zwar ein gutes Zubrot über ihre Bücher haben, davon aber nicht leben können, dazu kostet mich mein anderer Beruf zu viel (Versicherungen, Miete, etc. …). Es ist kurios, er kostet mich zwar eine Menge, ist aber doch mein Hauptstandbein. Das kann sich aber ändern … wir werden sehen, was die nächsten Jahre bringen.


Du bist Budomeister: Was bedeutet das genau? Hast Du den Meistergrad in verschiedenen Kampfkünsten?
Budô ist japanisch und bedeutet eigentlich „Der Weg (Dô) des Krieges (Bu), damit sind im engsten Sinn die alten japanischen Kampfkünste der Samurai gemeint, im weitesten Sinne, die asiatischen, was nicht ganz richtig ist – Thaiboxen zum Beispiel ist definitiv nicht Budô. Ich bin Meister (Danträger) in zwei Disziplinen und Großmeister in einer. Wer es genau wissen will, der kann es auf der Homepage meiner Schule sehen: www.budo-gym.de
Du bist Buddhist und Budomeister. Hast Du schon einmal daran gedacht, einen historischen Roman zu schreiben, der in Asien spielt?
Produkt-InformationIch habe mit „Shi Shin – Das Buch der vier Herzen: Niederschriften eines freigeistigen Samurai aus dem 17. Jahrhundert“ unter meinem alter egoYamamoto Magune eine Synthese von historisch und Fiktion in Form eines Sachbuches erstellt. Mit dem letzten Sachbuch „Jiu-Jitsu leben – Die Sanfte Kunst im Alltag“ habe ich für mich das Thema Budô aus traditioneller japanischer Sicht abgeschlossen und für eine europäische Ausrichtung plädiert.
Einen historischen Roman, der in Asien spielt, zu schreiben, reizt mich nicht. Das ist mir alles zu weit weg, damit meine ich nicht die räumliche Distanz, sondern die Mentalität. Das ist ungefähr so, wie wenn ein Chinese, der mit Deutschland eigentlich nichts am Hut hat, einen Roman in Deutschland spielen lässt; das ist zwangsläufig sehr fehlerhaft. Mich interessiert mehr das hiesige, weil hier meine Wurzeln sitzen und ich hier lebe.
Was und wie viel liest Du?
Dafür, dass ich selbst schreibe, bin ich ein sehr schlechter Leser; ich besitze nur circa zweihundert Bücher, und von denen verschenke ich immer wieder welche. Das notgedrungene Lesen von meist sehr trockener Sekundärliteratur für die historischen Projekte, raubt mir die Zeit und die Lust für Belletristik. Einmal im Monat fahre ich mit dem Auto eine längere Strecke, dann höre ich Hörbücher. Das letzte war ein Geschenk von Freunden: Friedrich Dürrenmatt: „Der Richter und sein Henker“.
Hörst Du Musik beim Schreiben?
Wie gesagt: Ich brauche absolute Ruhe.
Dein neuster Roman handelt von Elias Holl. Warum sollte man sich Deinen Roman kaufen (und lesen)? *g*
„Die Versuchung des Elias Holl“ ist nach „Das Duell der Astronomen“ das zweite Buch meiner Renaissance-Trilogie (vielleicht wird es eine Tetralogie; eine gute Idee habe ich noch …).
Es ist ein Künstler- und Liebesroman. Der Augsburger Baumeister Elias Holl, der ja für seine Epoche als Architekt wirklich eine Größe war, bekommt durch diesen Roman ein Gesicht als Künstler, wie man es so bestimmt noch nicht von ihm gelesen hat. Er muss sich gegen seinen Widersacher, den Freskenmaler Matthias Kager (auch eine historische Person) durchsetzen, und die Begegnung mit dem Mädchen Lia (fiktiv) droht sein Leben massiv zu verändern. „Die Versuchung des Elias Holl“ ist nicht nur vom Volumen eine Steigerung des ersten Werks, es ist literarischer und geht mehr in die Tiefe. Mehr wird aber nicht verraten. – ab März gibt es ihn zu lesen.
Produkt-InformationDu darfst wählen: Eine Lesung halten oder in der Einsamkeit festsitzen, bis Du einen Roman geschrieben hast. Was wählst Du?
Da liegen ja Welten dazwischen; das eine ist eine Angelegenheit von ein bis zwei Stunden (wobei ja noch die Vorbereitung hinzukommt), das andere geht über Monate. Ich liebe zwar die Ruhe – als Kontrast zum sehr lebhaften Sportschulbetrieb – aber dann würde ich die Lesung wohl doch vorziehen und den Roman wie bisher in temporärer Abgeschiedenheit verfassen.

Lieber Axel, vielen Dank für das tolle Interview!

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