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Sonntag, 4. Dezember 2011

Es lebe das Laster! Mit Petra Schier auf den Spuren der Faulheit :-)

Wie schon so viele Male zuvor, scheute ich auch diesmal weder Zeit noch Mühen um für meine Blog-Besucher/innen ein neues, faszinierendes Interview zu beschaffen.
Doch - wie immer wieder zwischen den Zeilen zu lesen ist - bin ich nicht die beste Sportlerin. So kam es, wie es, wie es kommen sollte: Beim Versuch das Mittelgebirge sprich die Eifel zu überwinden, geriet ich in eine Gerölllawine und wurde verschüttet.
Fast vier Wochen mußte ich ausharren, ehe überhaupt jemandem auffiel, daß ich verschwunden war!
Ich äußere mich hierzu nicht, werfe nur einen vielsagenden Blick in die Runde, weil niemand bemerkte, daß meine Wenigkeit weder zum Essen, noch zum Schlafen anwesend war.
Zurück zu meiner Rettung:
Irgendwann - ich hatte mittels meditativer Techniken diverse buddhistische, hinduistische und historische Persönlichkeiten getroffen - hörte ich ein Scharren.
Dann ein Kläffen und ich wurde gerettet. Mein persönlicher Dank gilt diesem netten Burschen:
Weihnachtshund2011hp

Außerdem durfte ich eine Weile die Pflege und Fürsorge  genießen

und reiste anschließend mit

 zu deren Schöpferin Petra Schier. (Besucht ihre Seite! Wirklich schön und informativ!)

Und natürlich war ich wieder neugierig wie Adelina, als ich eine (Mit-)Autorin traf :-)

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Interview:

Deine Veröffentlichungen sind beachtlich. Respekt , kannst Du vom Schreiben leben?



Es hat eine gute Weile gedauert und auf großen Fuß kann ich mich (noch) nicht bewegen, aber: Ja, mittlerweile könnte ich als Einzelperson vom Schreiben leben. Allerdings bin ich ja verheiratet und somit haben wir glücklicherweise zwei einkommen in der Familie.



Wie bist Du zum Schreiben gekommen?



Die Standardfrage. ;-) Ich habe schon immer geschrieben, begonnen hat es, als ich zum elften Geburtstag ein Tagebuch geschenkt bekam. Seither habe ich mich an allen möglichen Textformen versucht, und herausgefunden, dass mir der Roman am besten liegt, wohingegen ich Kurzgeschichten gar nicht mehr schreibe, wohl, weil ich sie auch nicht gerne lese.



Hat es lange gedauert, bis Du veröffentlicht wurdest?


Von dem Zeitpunkt an, zu dem ich meinen ersten Roman fertiggestellt hatte, bis zu meiner ersten Veröffentlichung vergingen acht Jahre. Harte Jahre, in denen ich mich überwiegend mit Deutsch- und Englisch-Nachhilfe über Wasser gehalten habe, um meine Miete und das Essen auf meinem Teller zu verdienen.



SU_978-3-499-25901-2_E4hp Du bist auch Lektorin. Bist Du mehr Lektorin oder eher Autorin?



Eindeutig mehr Autorin.

Zum Lektorat kam ich wie die Jungfrau zum Kinde. Eines Tages rief mich ein mir damals noch völlig unbekannter Verleger eines kleinen Verlages in der Eifel an und fragte, ob ich Interesse hätte, für ihn zu lektorieren. Er hatte meine Autorenseite im Internet entdeckt und fand die dortigen Leseproben so gut, dass er Kontakt aufgenommen hat.

Anfangs habe ich sehr viel lektoriert: Kinderbücher, Sachbücher für den Verlag aber auch Manuskripte und z. B. Magisterarbeiten für Privatpersonen. Mittlerweile schreibe ich jedoch drei bis vier Bücher pro Jahr, was bedeutet, dass mir für das Lektorat kaum noch Zeit bleibt. Für Privatpersonen arbeite ich deshalb gar nicht mehr und für besagten Verlag betreue ich nur noch eine bestimmte Sparte Sachbücher; ein oder zwei Bücher pro Jahr, mehr nicht.



Sind historische Romane eine Herausforderung? (Für Dich als Autorin.)



Jedes Buch, gleich welchen Genres, ist eine Herausforderung and den Autor, seine Leser zu packen und bestenfalls bis zur letzten Seite nicht mehr loszulassen. Aber natürlich sind gerade historische Romane recht aufwendig zu schreiben, da immer eine sehr umfangreiche Recherche vorangeht.

Das Schreiben eines Romans kann anstrengend, hin und wieder sogar richtig schmerzhaft sein, je nachdem, welches Thema man sich aussucht. Auch können mich meine Figuren und ihre Entwicklung sehr stark beanspruchen und fordern.

Schreiben ist zu einem sehr großen Teil ein Handwerk, jedoch merken die Leser, wenn so richtig viel Herzblut in eine Geschichte eingeflossen ist. Und um Herzblut zu vergießen, braucht es eben auch eine große (psychische) Kraftanstrengung.



Standest Du schon einmal vor dem Problem, etwas nicht recherchieren zu können?



Ja, natürlich. In der Historie gibt es immer wieder dunkle Flecken, die man auch mit größter Sorgfalt und Anstrengung nicht erhellen kann. In solchen Fällen gibt es verschiedene Möglichkeiten: Entweder man greift auf Informationen zurück, die zu einem anderen Objekt gehören, aber ähnlich sind, oder man bemüht die künstlerische Freiheit.



Bei meinem Roman „Die Eifelgräfin“ hatte dich dieses Problem, da das Buch auch einer Burg in der Eifel spielt, über die es im Grunde nur zwei, drei verlässliche Quellen bzw. Studien gibt. Hier konnte ich mich größtenteils mit Informationen zu ähnlichen Burgen während der gleichen Epoche behelfen. Aber einige Details waren einfach nicht herauszufinden, also habe ich diese durch meine Fantasie ersetzt.

Was ich allerdings niemals tun würde, ist, belegte historische Ereignisse für meine Romane zu verändern oder gar zu verlegen. Damit würde ich ja die Historie an sich verändern, und das fällt mir ja gar nicht ein. Entweder meine Geschichte passt in den historischen Hintergrund oder ich suche mir einen anderen.



Wie wichtig ist akkurate Recherche? Verzeihen die Leser kleinere Fehler?



Mag sein, dass kleinere Fehler verziehen werden, und kein Autor ist vor ihnen gefeit. Auch mir sind sie schon unterlaufen. Doch grundsätzlich halte ich akkurate Recherche gerade bei historischen Romanen für unerlässlich. Die Leser erwarten neben einer spannenden Handlung auch, etwas über eine bestimmte Epoche und ihre Menschen zu lernen. Somit habe ich gewissermaßen einen Lehrauftrag, den ich ernst nehme.

Auch kennen sich sehr viele Leser mittlerweile hervorragend in ihrer Lieblingsepoche aus. Wenn ich mir da Fehler leiste, verärgere ich die Menschen, die für meine Arbeit am wichtigsten sind: eben die Leser. Und nichts liegt mir ferner.



Hast Du eine Lieblingsprotagonistin / einen Lieblingsprotagonisten?



Nicht wirklich. Sagen wir es lieber so: Die Protagonisten, über die ich gerade schreibe, sind mir die liebsten und manchmal gleichzeitig auch die verhasstesten, wenn sie sich mal wieder so ganz anders verhalten und/oder entwickeln, als ich dachte.



Wie gehst Du beim Schreiben vor?



Sobald eine Idee in meinem Kopf so weit gediehen ist, dass sie sich zu einem Roman eignet, schreibe ich alles, was mir dazu einfällt, auf eine Kladde, mache Cluster und Pfeildiagramme, um die Beziehungen der Personen zueinander in den Griff zu bekommen. Dann schreibe ich ein Exposé, zunächst für mich, dann für den Verlag. In diesem ist die gesamte Geschichte auf drei bis fünf Seiten zusammengefasst, inklusive Schluss. Aufgrund dieses Exposés kann mein Agent den Roman einem Verlag anbieten. Für mich ist dies der rote Faden der Geschichte, das grobe Gerüst, aus dem ich die Geschichte dann entwickele und schreibe. Dabei kann es immer passieren, dass sich Details und Figuren verändern. Das Schreiben ist kein statischer Prozess und ich bin zu 50 Prozent eine Planschreiberin und zu 50 Prozent eine Bauchschreiberin. Das heißt, ich plane schon recht ausführlich, lasse der Geschichte und den Figuren aber auch viel Raum, sich während des Schreibprozesses zu entwickeln, manchmal in durchaus überraschende Richtungen.

Außerdem schreibe ich immer sehr „auf den Punkt“. Das heißt, ich arbeite so, dass ich nur ein Minimum an Überarbeitung zu machen habe. Ich gebe nämlich ehrlich zu: Ich hasse das Überarbeiten. Ich bin einfach zu ungeduldig dazu.



Wann und wie viel schreibst Du?



Ich schreibe, wenn es gut läuft, vormittags, und zwar an fünf Tagen die Woche, jeweils ca. sieben Seiten pro Tag. Ab besagten guten Tagen brauche ich dazu weniger als drei Stunden, an mittleren Tagen ca. 4 Stunden und an schlechten Tagen sitze ich noch am Abend daran. Aber ich höre nicht eher auf, bis ich mein Tagespensum im Kasten habe.



Wo schreibst Du am Liebsten?



An meinem Schreibtisch/PC in meinem Arbeitszimmer.

Wenn ich krank bin oder unterwegs, arbeite ich auch schon mal am Laptop, aber die gewohnte Umgebung meines Arbeitszimmers funktioniert für mich einfach am besten.



Welche Bücher / Autoren/innen liest Du selber bevorzugt?



Das wechselt schon mal, aber meine All-Time-Favourites sind Jane Austen und Nora Roberts.



Hast Du einen Geheimtipp gegen Schreibblockaden?



Es wäre schön, wenn ich einen hätte. Ich kenne Schreibblockaden und mir hilft meistens, sie einfach auszusitzen. Sprich: Ich akzeptiere, dass ich gerade eine Blockade habe, und befasse mich für eine Weile mit etwas vollkommen Anderem: meinem Hund, dem Garten, backen, themenfremd lesen oder auch mal einfach eine DVD in den Player und auf der Couch abhängen. Ich weiß, dass ich während einer Blockade nichts erzwingen kann (das würde es nur noch schlimmer machen). Deshalb gebe ich mir in solchen Fällen einfach ein wenig Zeit. Das kann ein Tag sein, eine Woche oder schlimmstenfalls auch länger. Aber ich weiß, dass sich die Blockade früher oder später wieder löst, manchmal durch einen einfachen Auslöser, während ich etwas anderes tue. Nur wenn es wirklich länger dauert (mehr als vier Wochen gab es aber bei mir noch nie), muss ich natürlich meinen Verlag darüber informieren. Zum Glück habe ich eine sehr verständnisvolle Lektorin, die auch immer bereit ist, in solchen Fällen mit mir zu sprechen und mir zu helfen, die Blockade zu überwinden.



Was ist dein größtes Laster? Gibt es eines?

O ja: die Faulheit.

Das mag jetzt vielen meiner Leser (und auch Kollegen) sehr merkwürdig anmuten, denn man kennt mich überall nur als sehr fleißig und überall präsent und hoch motiviert. Aber ich habe wirklich einen Hang zum süßen Nichtstun und muss mich oft wirklich an die Kandare nehmen. All mein Fleiß und meine Disziplin sind hart antrainiert, denn interessanterweise geht bei mir mit dem Laster Faulheit auch noch die (wie ich finde) Tugend Ehrgeiz einher.



Hörst Du Musik beim Schreiben?



Ja, manchmal, das kommt auf den Roman an. Da ich z. B. meine Weihnachtsromane meist zwischen Ostern und Pfingsten schreibe, kann es schon mal sein, dass ich mich mit Weihnachtsmusik in die passende Stimmung bringen muss. Auch zu manchen historischen Romanen höre ich passende, z. B. mittelalterliche Musik. Das kann den Schreibprozess antreiben, funktioniert aber nicht bei jedem Buch gleich gut und ich muss es immer erst austesten.



Du gibst auch Lesungen. Planst und organisierst Du die selber?



Nein, ich habe eine Lesungsagentin, die mir Planung und Organisation abnimmt. Andernfalls würde ich weit weniger lesen können, und das wäre schade, denn ich halte liebend gerne Lesungen. Veranstalter-Akquise, Planung und Organisation nehmen enorm viel Zeit in Anspruch, die ich lieber in mein nächstes Buch stecke.



Würdest Du Autoren raten, Lesungen abzuhalten?



Ja, wenn sie lesen können und keine Angst vor dem Kontakt zum Publikum haben.

Schier_24861-0hpEs ist tatsächlich so, dass es enorm viele (auch sehr bekannte) Autoren gibt, die nicht gut vorlesen können. Man kann das lernen, aber viele machen sich entweder nicht die Mühe oder machen sich vielleicht auch gar keine Gedanken darüber. Lesen ist – ebenso wie das Schreiben – eine Kunst und ein Handwerk zugleich. Und wenn man es nicht kann (und auch nicht lernen will), bleibt ggf. noch die Möglichkeit, z. B. einen Schauspieler zu engagieren, der auf der Lesung vorliest, uns selbst eben nur für Fragen und zum Signieren dabei zu sein.

Auch wenn man von Natur aus sehr introvertiert ist, sollte man sich überlegen, ob man Lesungen machen will oder sich vielleicht nur (z. B. vom Verlag) dazu genötigt fühlt. Es kann sehr viel Spaß machen, mit den Lesern in Kontakt zu kommen, sich mit ihnen auszutauschen. Aber wenn man menschenscheu ist, kann das Ganze auch nach hinten losgehen.

Hier muss ein Autor ganz einfach ehrlich zu sich selbst sein und entscheiden.



Falls ja, gibt es Fehler, die man vermeiden sollte? (Abgesehen von denen, die Du auf Deiner Homepage angesprochen hast  .)



Ich denke, wer sich die Tipps aus meinem Essay „Lesungen – Lust oder Frust“ auf meiner Homepage zu herzen nimmt, steht weitgehend auf der sicheren Seite. Vielleicht sollte ich noch anfügen, dass man, auch wenn man statt der vielleicht erwarteten 50 Personen nur 5 vorfindet, sich seine Enttäuschung niemals anmerken lassen darf. Auch für fünf (oder gar nur drei) Zuhörer bemühe ich mich um das beste Leseprogramm, dass ich an diesem Abend bieten kann.



Was ist das Skurrilste, das Dir in Deiner Autoren-Laufbahn bislang passiert ist?

Schier_499_25486_4hpGanz ehrlich: Dazu fällt mir gar nichts ein. So viele skurrile Dinge sind mir bisher noch nicht passiert, sieht man vielleicht mal von einer Lesung ab, die in einem Bistro bei laufendem Betrieb und direkt gegenüber der offenen Küchentür stattfand. Oder dem Veranstalter, der mich, trotzt vorheriger Terminrücksprache per Email, zu einem falschen Datum einlud, sodass ich vor verschlossenen Türen stand und dann zwei Tage später noch einmal wiederkommen musste.


Liebe Petra, vielen, vielen Dank für dieses schöne, ausführliche Interview! :-)


Liebe Ivy,

ich bedanke mich ganz herzlich dafür, dass ich dieses Interview für deinen Blog geben durfte, und wünsche dir und deinen Blogbesuchern eine wunderschöne (Lese-)Zeit und alles erdenklich Gute!

Herzlichst

Petra Schier


Meine Homepage: www.petra-schier.de

Petra Schier bei Facebook: www.facebook.com/PetraSchier

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