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Samstag, 28. Januar 2012

Wie ich die Welt rettete und dafür Isabelle Sander interviewen durfte.

Atemlose BegierdeEine düstere Atmosphäre hing über dem Raum. Die Spitzengardinen hingen wie Spinnweben vor den Fenstern, leicht, schimmernd und fast durchsichtig und doch schirmten sie uns vor der Außenwelt ab. Durch den Spalt der geschlossenen Tür fiel graues Tageslicht.
Ich war nervös. Am runden Tisch saßen neun Menschen (3 x 3), die Finger aller lagen auf einem umgedrehten Glas. Ich bewunderte die Silbernen Buchstaben und Zahlen die im Kreis auf die Tischplatte geätzt worden waren. Heute war es also soweit. Heute würden die letzten Fragen geklärt werden. An diesem Abend, am dreizehnten Tag des Monats in einer Vollmondnacht würden wir die Geister der verstorbenen Queen Mum und die legendäre Lady Di beschwören. Wir würden erfahren, was in jener Nacht tatsächlich geschah...
Unter dem Türspalt schoß ein greller Lichtblitz hervor. Außer mir schien es niemand zu bemerken. Ich sah zu Isabelle Sander, der Autorin von "Atemlose Begierde", die mir gegenüber saß. Sie zuckte mit den Schultern und ich lächelte zurück.
Dann schraken wir zusammen. Die Tür wurde aufgerissen und ein Mann stürmte herein. Er packte mich und zerrte mich vom Stuhl, ehe ich oder sonst jemand reagieren konnte. "Du musst mitkommen! Sofort!" Ich wehrte mich gegen seinen Griff. Er schien mir aufrecht besorgt und kein bißchen gefährlich. "Wer sind Sie denn? Was wollen Sie von mir?" "Ich bin der Doktor" "Der Doktor? Welcher Doktor?" Er schob mich in eine Telefonzelle. Ich schwöre es bei allen Klabautern, da stand auf einmal eine britische Telefonzelle im Flur!
Ich langweile euch nicht mit meinen Abenteuern in der Tardis und mit Doktor Who. (Vermutlich würdet ihr mir sowieso nicht glauben, denn für euch war ich keine Minute verschwunden. Tatsächlich aber durfte ich zusammen mit dem Doktor quer durch das Universums reisen, sah die Milchstraße aus der Nähe und erlebte eine Invasion der Cybermen, sowie einen Zusammenstoß mit den Daleks und am Wichtigsten: Der Doktor zeigte mir, was geschehen wäre, hätte ich die Seance nicht sabotiert. Eine Horde seelenfressender Quan-Kchoss´ hätte Zugang zur Erde gefunden und die Menschheit ausgelöscht.)
So aber konnte ich nach der Seance ein bißchen mit Isabelle Sander plaudern... Ihr Buch "Atemlose Begierde"


Interviewfragen:

Wie bist Du auf die Idee zu Deinem Roman gekommen?

Ich würde es so sagen: Ich hatte keine Idee für einen Roman, sondern Gedankenschübe, die ich loswerden wollte. Ganz manisch und unaufhaltsam haben sich Jo und Rick in mein Bewusstsein gedrängt. Sie haben mir ihre Geschichte erzählt, ich musste sie nur aufschreiben. Und anhand ihrer Charaktere konnte ich plötzlich sichtbar machen, was mich schon lange fasziniert hat. Zum einen die Tücken einer Affäre auszuformulieren und zum anderen etwas sichtbar zu machen, das meines Erachtens immer noch vernachlässigt wird. Und zwar den weiblichen Orgasmus in Bilder zu verwandeln. In Pornofilmen wird das völlig ausgespart, von dem gefaketen Gestöhne und hysterischem Gebärden, das einen Orgasmus darstellen soll, mal abgesehen. Selbst in der erotischen Literatur geht es mir oft ab. Wie sieht das Pendant zum Korkenknallen und den folgenden Champagnerfontänen aus?

Seit wann schreibst Du?

Tagebuch, seit ich neun war. Und seither schreibe ich wohl auch Romane ;-)

Liest Du viel?

Ganz verschieden. Wenn ich realisiere, wie viel und schnell Bücherblog-Betreiberinnen so lesen, kann ich behaupten, ich lese gar nichts ;-)
Wenn ich eine Schreibphase habe, ist das tatsächlich so. Ich lese dann nur meinen eigenen Text und Dinge, die ich dazu recherchieren muss.
Wenn ich aber keine Schreibphase habe, dann kann es passieren, dass ich Amok lese, meist das ganze Buch in einem Rutsch, solange bis ich nicht mehr sitzen, liegen, stehen kann, nicht mehr weiß, wo oben und unten ist, ob ich schon gegessen hab, ob’s Tag oder Nacht ist .... *grinst*


Hast Du Lieblingsautoren/-innen?

Ja, ich war lange ein großer J. G. Ballard Fan. Bin ihm in London sogar mal persönlich nach einem seiner Vorträge begegnet. Er hat mir mit seiner Literatur für mein Erwachsenenleben sehr viel mit auf den Weg gegeben und es hat mich persönlich getroffen, als er 2009 verstorben ist. Er war ein Meister der fiktionalisierten Autobiografie und die Vorstellung, dass dieser inspirierte Mensch nie wieder seine Geschichten mit uns teilen wird, macht mich selbst jetzt noch traurig. Aber er hat uns wertvolle Romane hinterlassen, Empire of the Sun, Crash, der von David Cronenberg verfilmt wurde, und meinen Favoriten Concrete Island.

Wie bist Du zum Ullstein-Verlag gekommen? Hast Du einen Agenten?

Ich habe Ullstein mein Manuskript angeboten. Sie haben es genommen, ohne Agenten.

Was sagt Dein Umfeld zu Deiner Schreibtätigkeit und Deiner Veröffentlichung?

Freunde finden es sehr unterhaltsam und originell. Meine Mutter ist begeistert, mein Vater verwundert, meine Geschwister haben sich geweigert, es zu lesen. Aber für die Familie habe ich es ja auch nicht geschrieben.
Es ist einzig mein Privatvergnügen, das ich in dieser Form schamlos mit vielen Unbekannten teilen kann. Mich fasziniert die Idee, für Momente mit Menschen im Geiste verbunden sein zu dürfen, die ich gar nicht kenne, ihnen etwas zu geben, das sehr privat ist, so privat, dass ich beim Gedanken daran erröte ;-)

Erotikautorinnen machen immer, was sie beschreiben *lol* Welcher Krimi-/Thrillerautor hat Deiner Meinung nach den perfekten Mord begangen?

Die für mich effektvollsten, obszönsten und barbarischsten Morde hat meines Erachtens Bret Easton Ellis in American Psycho ausgeführt. Er tötet Frauen, Männer, Kinder, Tiere, macht vor gar nichts halt. Im Gegenteil, mit großer Detailverliebtheit zelebriert der vor Selbsterkenntnissen triefende Ich-Erzähler einen bestialischen Lustmord nach dem anderen. Hab’s zwar schon lange nicht mehr gelesen, aber ich spüre heute noch die Wirkung in meinen Gehirnwindungen knistern. Ein exzeptionell monströses Werk, sarkastisch, böse durch und durch.
Oft habe ich mir überlegt, wie Ellis sich während der Schreibphase zu diesem Buch gefühlt haben musste. Aber in einem Interview hat er mal gemeint, dass es nicht er, sondern ein böser Geist, für den er bloß das Medium gewesen war, geschrieben hat. In einem späteren Interview hat er das alles wieder revidiert und gemeint, er hätte doch alles selbst erlebt ... *lacht*

Glaubst Du, dass Erotik-Romane eher von Frauen oder von Männern gelesen werden?

Behauptet wird, dass Frauen das eher lesen und Männer eher Pornos gucken. Da ich aber keine Feldstudien zu diesem Thema mache, kann ich nur von mir ausgehen. Ich mag sexuelle Stimulation in jeder Form, wenn sie gut ist und der Zeitpunkt richtig. Das kann die ganze Palette sein. Aber ich denke, es kommt eher auf den Sättigungsgrad an, wofür man sich entscheidet. Manchmal genügt ein Satz, ein Blick, die richtige Stimmlage und man ist höchst erotisiert, manchmal braucht es einen Schwung von Zusatzmitteln, bis man irgendwas empfindet. Worin sich Mann und Frau da unterscheiden, gute Frage ...

Hast Du schon ein neues Projekt in Planung?

Ja, und es ist grad in einer heißen Phase, deshalb kann ich noch nichts darüber verraten.

Du liebst London und hast dort gelebt *schmacht*. Was fasziniert Dich an London?

Dass die Stadt endlos inspirierend ist, tolle Menschen aus so vielen unterschiedlichen Nationen dort anzutreffen sind und die Leute auf der Straße einen nie doof angucken, egal wie man grad drauf ist.
Ich mag aber auch das, was man als typisch Englisch bezeichnet: Höflichkeit und Zurückhaltung, dass man sich bei Warteschlange niemals vordrängelt, den trockenen Humor, Fish n’Chips ...
Und nicht zu vergessen, diese unvergleichbare Sexyness gepflegter Businessmen im perfekten Maßanzug, die sich nach einem verheißungsvollen Blickaustausch schnell wieder hinter ihre Zeitung flüchten. Man dann ihre Blicke wieder die Beine hochwandern spürt und wenn man hinguckt, sind sie weg. Das mag ich ;-)

In welchem Stadtteil hast Du gelebt?

Du machst mir Sehnsucht ;-) Die meiste Zeit im Nordwesten, im Haus von Freunden meiner Familie, später aber auch im Süden, das war dann ein Kontrastprogramm, viel lebendiger, aber auch turbulent und mitunter unheimlich. Nachts allein nach Hause zu kommen, da hat es mir schon immer wieder die Gänsehaut aufgezogen.

Gibt es andere Gegenden in England, die Du gut kennst?

Ich kenne Cornwall und Devon von Ausflügen. Und natürlich Brighton und die Midlands ein bisschen, und Essex ...

Wie sieht Dein Alltag aus? Deine Schreibroutine?

Routine ist ein Wort, das ich gar nicht mag, und dementsprechend sieht es auch in meinem Leben aus. Ich schreibe ausschließlich, wenn sich mir etwas aufdrängt und ich Lust dazu habe, es auf Papier zu bringen.

Was ist das lustigste/skurrilste, außergewöhnlichste, das Dir im Zuge der Schreiberei bzw. Deiner Veröffentlichung bisher passierte?

Skurril ist für mich, welche Leute sich nun von mir angezogen fühlen und wer mich mit leichter Irritation wahrnimmt. Es ist schön zu sehen, welche Wirkung so ein kleiner erotischer Roman haben kann.
Aber das Außergewöhnlichste, das mir in diesem Zusammenhang passiert ist, wird sich wohl in sehr abgewandelter Form in meinem nächsten Roman wieder finden. Mal sehen. Drück mir bitte die Daumen, Ivy!

Die britische Königsfamilie lädt Dich zum Tee ein. Wen würdest besonders gerne treffen und mit Fragen löchern? (Oder würdest Du lieber mit Doctor Who und seiner Tardis entschwinden?)

Ups, ähm, da fallen mir andere Leute ein, die ich lieber treffen würde, aber wenn schon Königsfamilie, dann würde ich mich eindeutig für eine Séance mit der gesamten Familie entscheiden, bei der wir Lady Diana und die Queen Mum zu Gast haben. Die sollen uns dann alle Fragen beantworten, die noch offen sind ;-)

Liebe Isabelle, vielen Dank für das schöne Interview!

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