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Montag, 13. Februar 2012

Nina George enttarnt - Anne West gefunden!

Hallo ihr Lieben,

vor kurzem besuchte ich meinen Onkel in Hamburg. Der alte Herr wohnt in einem sehr netten Anwesen an  der Alster und freute sich unglaublich, wieder einmal Besuch aus dem nördlichsten Teil Italiens, der alten Heimat zu bekommen.
Da es zu seinen Angewohnheiten gehörte, ausgiebige Mittagsschläfchen zu halten, verfügte ich über ausreichend Zeit, Hamburg zu erstürmen.
Es gab da an einer Straßenecke einen reizenden kleinen Buchladen, der mit einem Plakat im Schaufenster für einen besonderen Reiseführer:

Verliebt in Hamburg Leider war der Band noch nicht erhältlich, so entschloß ich mich, weiterzuwandern. Vom Taxi hatte ich einen netten Laden gesehen und ... nun träumt nicht jeder Mann davon einen Engel zu lieben? Weiße Stilettos, einen String - die eigentlich eh´ nur Männer mögen - wenn sie sie nicht tragen, versteht sich - und weiße Engelsflügel, damit wollte ich meinen Mann überraschen. 
Als ich in der Umkleide das Kostüm anprobierte, erklang eine Stimme: "Kann ich nicht empfehlen." Ein halbes Gesicht linste durch den Vorhang. Verdutzt starrte ich das abgeschnittene Antlitz an. "Und warum nicht?"
"Sowas endet nicht mit wildem Sex, sondern mit geschwollenen Knöcheln. Ich empfehle dir etwas ganz anderes: "Lesen macht klug und schön" " . Nun war ich doch neugierig. Wer war diese Frau? Vage kam sie mir bekannt vor. War das etwa Nina George, Die Mondspielerin, auch bekannt als Anne West von "Absolut Sex"? Ich schlüpfte so schnell ich konnte in meine Kleider. Meine Güte, Anne West, die deutsche Sexpäpstin! Das durfte ich mir doch nicht entgehen lassen!

Interview:

Copyright by Jakob Börner
Wie bist Du zum Schreiben gekommen?
Das Schreiben ist vor etwa 20, 22 Jahren zu mir gekommen. Und seitdem übe ich es.

Du schreibst als Anne West „Sachbücher rund um Liebe, Lust und Partnerschaft“, als Nina George Romane, z.B. „Die Mondspielerin“ „Kein Sex, kein Bier und jede Menge Tote“. Außerdem verfaßt Du hinreißende Artikel für Frauenzeitschriften (z. B. In der aktuellen Joy)
Was macht Dir am meisten Spaß?
>>Ach Ivy! Danke!!! Was mir Spaß macht… hm, Kriminalkurzgeschichten. Nach zehn, zwölf Seiten muss der Drops gelutscht, muss der Abgrund zur Gänze durchschritten sein.
Am Zweitliebsten: Kolumnen und Rezensionen; ich liebe die kurze, freie Form, in der ich Meinung mit Fakten zu einer ganz eigenen Art des zeitlich verschobenen Dialoges zwischen mir und Lesendem feilen kann. Miniaturen sind die schwierigsten, kein Wort darf zuviel sein, und doch darf keines fehlen. Ich habe geradezu ein erotisches Verhältnis zur verdichteten, knappen Form: Es macht mich an, kurz und gut zu sein.
Als nächstes mag ich es, „geschrieben zu haben“ – was heißt: Jeder Text hat zwar seine individuellen Bedürfnisse an Länge, Technik und Inhalt, an Witz oder Gefühligkeit, an Kreativität oder Reinheit der Fakten. Aber jeder benötigt dieselbe Aufmerksamkeit und Hingabe! Da darf es kein „Macht mir weniger Spaß…“ geben, Schreiben ist Schreiben, wie Schwimmen Schwimmen ist, egal ob im Meer oder im Püscherwarmen Gummipool.
Ich habe den Trick: Liebe, was Du tust, dann tut es nicht so weh.
Ich schreibe nun so lange, lange Jahre; ich schrIEb Geschichten, Kurzmeldungen, Kolumnen über Mettwurst, investigative Artikel über illegale Abschiebung, über die deutsch-deutsche Grenze, ich schrieb Sketche für Barbara Schöneberger oder Rückseitentexte für meine Romane; ich schreibe über Sex, über Käse und Wein, ich habe nachmittags eine Lösung für eine Weltlage, die morgens noch nicht da war, ich bin voll von rasch bis zäh angehäuften Wissen, und ein gefährlicher Gegner für Besserwisser. Nicht alles macht „Spaß“ (Der ist als einziger Gradmesser auch etwas überschätzt – es ist eine andere Sorte Lust, die mich beim Schreiben umfasst; es ist vergleichbar mit: Atmen, etwas „bauen“ für die Ewigkeit, die nach meinem Sterben folgt; vor allem aber: sich permanent entscheiden: was schreibe ich? Wie? Was ist wichtig? Wo beginne ich? Wo ende ich? Was lasse ich weg, obwohl es so, so gut ist?), aber durch meine Ausbildung zur Journalistin bin ich geschult auf die permanente, möglichst gleichbleibende Aufmerksamkeit für jede schreiberische Aufgabe.

Du hast auch als Opern-Statistin gearbeitet. Was hast Du genau gemacht? Magst Du Opern?
>>Ich mag nur manche Opernarien, einiges aus Carmen, Madame Butterfly, der Zauberflöte, dem Ring oder dem Freischütz. Ich habe damals am Augsburger Theater als Engel gearbeitet, als Schabe, die unter Betten hervor krochen, als „Mob“, der ein armes Mädchen steinigte… herrje, wir Komparsen waren meist der „böse Schwarm“, sozusagen der Shitstorm, der über der „Frau ohne Schatten“ hereinbrach.
Aber: ich schätze Klassik, sehr. Je mehr ich mich einhöre, desto deutlicher wird mir, dass uns Symphonien Geschichten erzählen. Es ist immer gut, vor einem Konzert zu einer „Einführung“ zu gehen, und sich von einem nicht zu verbildetem Dramaturgen erzählen zu lassen, wann der Komponist die Stücke entworfen hat, zu welcher Zeit, was da los war, politisch, gesellschaftlich, zwischen Frauen und Männern… es hilft auch zu wissen, ob er verliebt war (wie Brahms in Schumanns Frau!), oder verrückt-neurotisch-spirituell (wie Bruckner!) oder narzisstisch-todesängstlich (wie Schostakowitsch!).
Wenn man mal das Klischee weglässt, dass Klassik nur von bürgerlichen Besserwissern mit Stock im Hintern gehört wird, und es als „Erzählung“ versteht, mit Geräuschen, Abläufen, Höhepunkten, fixen Leidenschaften und Verzweiflungen – dann ist es wie ein Roman für die Ohren. Mahler hat mir da mal die Augen geöffnet. Hammertyp, Hammerleben, Hammermusik. Lohnt sich, erst ein wenig einlesen und dann hören, wie er seine Gefühle in Notenerzählungen gegossen hat.

Welche Musik hat (für Dich) den meisten Sexappeal?
>>Tango Gotan ist eindeutig Vögelmusik. Blues, Motown, Soul; manches aus der düsteren Hip-Hop-Gegend. Reggae, hmm… nee. Ein paar Sachen aus der Chill-Ecke sind auch herrliche Hintergrund-Sofa-Liebe-Musik.

Schreibst Du täglich? Arbeitest Du aktuell wieder an einem Roman/Sachbuch?
>>Ich schreibe seit 1992 täglich, und die paar Tage, an denen ich es nicht tue, fühle ich mich seltsam. Allerdings habe ich jetzt auch mal vier Monate ausgesetzt, aufgrund eines schweren Bandscheibenvorfalls und dem gleichzeitigen Tod meines Vaters. Er war der mir geliebteste Mensch, und er kannte mein „Werk“ – und damit mich – als vermutlich einziger, komplett. Alle 22 Bücher, alle 70, 80, was weiß ich, er wüsste es!, Kurzgeschichten; alle 3000, 4000 oder mehr Artikel, einfach: alles.
Seitdem frage ich mich, auch mit dem „gebrochenen Genick“, das ich metaphorisch seit der OP habe: Wofür das? Wofür ich? Was? Was genau?
Ich habe mich absolut auf Langsamkeit gesetzt. Wo ich zuvor gefühlt 24/7 gearbeitet habe, so bin ich verstummt und schaue zur Zeit nur. Ich arbeite meine Verpflichtungen für vier Zeitschriften ab, denn als Selbständige interessiert es keinen Staat, ob Dein Kreuz und Dein liebendes Herz hinüber ist; Du musst arbeiten, willst Du leben.
Aber ich schreibe (noch) kein Buch. Ich habe einen guten Verlag (Knaur), der mir meine Zeit lässt, der nicht darauf beharrt, dass ich tue, was wir vereinbart haben; ich kann tun, was ich kann. Und was ich kann… das hat sich verändert. Wir werden sehen. Ich bin noch nicht fertig, zu stehen und zu schauen.
Zurzeit ist die einzige Konstante der tägliche Sport. Ich schwimme, ich stemme, ich atme, ich kämpfe mit der Langsamkeit von Tai Chi. Ich weiß nicht, wer ich dann sein werde; vermutlich ich, aber in einer Form, die mir fremd sein wird, und von dieser Nina weiß ich noch nicht, was sie so dringend schreiben will, dass sie sonst durchdreht, wenn sie es nicht tut.

Wie, wo und/oder mit wem recherchierst Du für Deine Sachbücher und Artikel?
>>Die Mischung aus wissenschaftlichen Studien, akademischen Statements und ganz ganz ganz viel persönlichen Erfahrungen meiner Interviewpartner, hat sich zumindest bei den Reports und Büchern über Sexualität und dieses wilde große Etwas Liebe, bewährt.
Allein akademisch ranzugehen wäre frei von Menschenverstand, allein aber nur den eigenen Gefühlen oder schmalen Erfahrungshorizont zu trauen, unprofessionell. Es muss eine breite Mischung sein, die aufzeigt, wie individuell das Leben ist, und wie wenig Sexualität, Liebe, Gefühle oder Lebenskonzepte, einer Norm oder einer Masse folgen können – und auch nicht dürfen!

Welches war der kurioseste Sextipp, der Dir je untergekommen ist?
>>“Behalten Sie ein bisschen Reis im Mund, wenn Sie ihm ein Lippenbekenntnis bereiten“ (zugespielt von einer heute passabel erfolgreichen Romanautorin). Ihr zuliebe habe ich den Tipp damals verwendet. Er verfolgte mich noch jahrelang und wurde als Beispiel der auf den Hund gekommenen Sexratgeberkultur verwendet, und dabei war´s nicht mal meine Idee…
Sehr interessant fand ich dagegen die Beichten der Leser. Sowas wie: „Mit spitzen Fingernägeln einen Luftballon zum Platzen bringen, während er kommt“, oder „Laktosefreie Sahne für Sahnespielchen verwenden, dann schmeckt´s auch Allergikern“.
Ansonsten empfinde ich viele „Garantie“-Rezepte, wie sie in amerikanischen Büchlein oder Zeitschriften hochgejazzt werden, als kurios. Feueratmung, Genital-Uhr, G-Punkt-Vibratoren: Alles peinlicher Quatsch, unter anderem, weil es weder den G-Punkt gibt, noch eine Vulva-Uhr verrät, wie spät ihre Lust wohl heute dran ist.

Welches Deiner Bücher magst Du persönlich am Liebsten und warum?
>>Die beiden jüngsten, „Die Mondspielerin“ sowie „Absolut Sex“. Weil sie davon erzählen, wie es ist, sich selbst in diesem Leben zu finden, wirklich und wahrhaftig sich selbst. Mit allen Kämpfen und Experimenten, trotz und wegen der Liebe, trotz und wegen all der Regeln und Ansprüche und Erfolgsrezepte, die uns die Sicht auf uns selbst so grandios verstellen.
Ich habe damit das Wichtigste gesagt, was ich sagen wollte.
Jetzt kann ich in Ruhe andere Geschichten erzählen, die vielleicht einfach nur… unterhalten. Oder glücklich machen. Wie Butterkuchen, eben.

Welche Bücher liest Du selber? Welches Genre bevorzugst Du?
>>Ich mag Biografien von schreibenden Frauen, wie etwa über Dorothy Parker. Ich verehre Stephen King. Ich steh total auf deutsche Krimis (In den kurzen sind die richtig stark), skandinavische dagegen finde ich… puuuh… gähn, und sowas wie Larsson oder so, das war… naja… die Filme waren jedenfalls hervorragend, sagen wir es so.
Ich mag den zeitgenössischen amerikanischen Roman und bin ganz verrückt nach dem britischen Humor und der Kunst der so verflucht bitterbösen, ironischen Unterhaltung. Ich liebe große Erzähler wie Irving oder Helprin, Testosteronhonks wie Niven. Tolle Erzählerinnen wie Dominique Manotti oder Irene Nemirowsky. Ich schätze auch sehr das Plottempo von Miss Rowling, und, und, und… herrje. Ich starre auf die knapp 2500 oder was Romane und Bücher in den Regalen und denk mir so: Ich lese alles, wenn es mich interessiert. Sachbücher über nubisches Matriarchat, Harold Robbins Softpornos, neurologische Bücher über das Böse in jedem Gehirn, Romane von Buchpreisnominierter Judith Schalansky bis Sex and The City. ALLES!
Mein Traum wäre, mal für eine Woche in einer Buchhandlung eingeschlossen zu werden, mit drei Katzen, genügend Futter für sie und für mich, Kissen und Decken und genug Batterien für die Taschenlampe. Und dann: Lesen bis mir die Buchstabensuppe aus den Augen quillt.

In welchen Star warst Du als Teenager verknallt?
>>In Severiano Ballesteros (Spanischer Golfprofi, der stets den ungeraden Weg zum Ziel nahm, dabei sehr macho, elegant und tänzerisch-sexy), in Michael Groß (dieses Schwimmerkreuz!), in George Michael (na, DIESE Enttäuschung kann man sich ja vorstellen, als ich erfuhr, dass ich so gar nicht sein Typ gewesen wäre!).
Ich habe mich weniger in das Starsein eines Stars verknallt – was ja übersetzt heißt: Lass mich wichtig sein, erkannt werden, lass mich das Aschenputtel sein; ein märchenhaftes Frauenkonzept, was mir stets widerstrebte; ich habe die Leistung bewundert und wollte „wie er“ sein. Sprich: genauso brillant, um genauso einen Respekt zu erhalten, wie ich ihn gegenüber der Leistung empfand. Ich sehnte mich als junges Mädchen weniger nach Liebe und dem Ausgleich meiner Schwächen, sondern nach Respekt, und dass es jemand vermochte, mit meinen Stärken zu leben (Inklusive mir).

Was würdest Du tun, wenn du einen Tag lang ein Mann sein könntest?
>>Mit mir schlafen (geht das in der Konstellation? Also, mit mir als Frau). Oder überhaupt, mit Frauen flirten, Frauen verführen. Onanieren. Versuchen, so viele männliche Konzepte wie möglich auszuprobieren; den jungen Rüden, den kalten Gentleman, den kühlen Macher, den selbstgewissen Akademiker… ich würde Beweise sammeln, wo es Männer leichter haben, einfach, weil sie Männer sind.
Und wo sie es viel schwerer haben – einfach, weil sie Männer sind…

Wofür oder wogegen würdest Du demonstrieren?
>>Habe ich schon; unter anderem war ich eine der ersten Occupys, stehe gegen Nazis auf, bin auch für „Bildung für alle“ – aber, je mehr verschiedene Ideologien etwa bei Occupy hinzu kamen, wie etwa die Linken, die Piraten etc., desto mehr zog ich mich zurück, und konzentriere mich jetzt auf drei Themen:
>>FÜR Urheberrechte und die Freiheit der Kulturschaffenden – Schriftsteller, Fotografen, Musiker, Bildhauer, Komponisten, Architekten…, mit ihren Werken zu tun und zu lassen, was sie wollen, sie aber in jedem Fall als ihr wirtschaftliches Eigentum zu schützen, und das in mindestens der jetzigen Form. Es ist dringend, unsere Arbeit transparent zu machen, um wieder Respekt vor geistiger Leistung zu erhalten – und vor allem um verständlich zu machen: Wir werden dadurch nicht reich, wir brauchen sogar die paar Piselotten dringend, die die geklauten Ebooks ausmachen!
Dazu habe ich das Aktionsbündnis Urheberrecht gegründet, die Fb-Site https://www.facebook.com/pages/AutorInnen-und-Verlage-für-Urheberrechte/197507973665930 , und bereite eine informative Website sowie eine Erklärung vor. Ich kann meinen Zorn gegen die Asozialität jener kaum zügeln, die von uns Schreibenden zwar das Solidaropfer verlangen, auf unsere Rechte zu verzichten – und die sich aber nicht genötigt fühlen, für die Leistung Kulturschaffender zu zahlen. Es soll im ach-so-demokratischen Netz alles gratis sein, wie einst das Taschengeld.
>>FÜR Frauen und ihre Rechte (Weltweit; hier in Europa geht’s uns sowas von gut… bis auf die Sache mit dem Geld. Ich wünschte, wir Frauen würden endlich klarer über GELD REDEN!)
>>Gegen CocaCola, Danone, Nestlé und andere globale Massenversorger, die stets auf Kosten der Kleinen ihre großen Geschäfte machen, und dabei systematisch Raubbau von Ressourcen wie Wasser betreiben, und dafür Menschen in den Tod schicken.

Was kaufst Du, wenn man Dir einen Hunderter in die Hand drücken würde?
>>Ein Buch oder zwei oder drei…, eine Lage Butterkuchen von Gaues, ein Cappuccino mit dreifacher Menge Espresso, eine Flasche Britzel-irgendwas von der Loire, Miesmuscheln und Sahne. Der Rest geht an einen Hinz-und-Kunzt-Verkäufer (eine der ältesten, auflagenstärksten Obdachlosenzeitungen, mit guten Themen, sauber recherchiert).

Welches Tier wärst Du, wenn Du eines wärst?
>>Eine Katze, schwarz und muskulös, deren Liebe stark ist, deren Stolz unbrechbar, und deren silbernen Härchen an der Schläfe sehr sexy (Ähem. Auf DIESEM Bild nicht zu sehen – aber ich habe seit kurzem extrem silbergraue Haare…). Wäre der Katzenjob schon aus, wäre ich ein Vogel, vermutlich eine Räbin, die über der Stadt kreist und sich einen einzigen Menschen ausgesucht hat, über den sie wacht.

Was liebst Du an Deiner Heimatstadt Hamburg?
>>Den Himmel, die Weite, den Duft. Die Menschen (meistens… obgleich hier sowohl schlechte Laune, als auch Fröhlichkeit und Milde ansteckend sind). Die Nähe zu all den vielen Wassern. Die Tatsache, dass ich mich hier zu Hause fühle. Hafen, Parks, Cafés. Alles. Es ist mein Lebensort.

Welches war das peinlichste/lustigste Erlebnis, das Dir zum Thema Verführung/Sex bisher untergekommen ist?
>>Wo anfangen?! Wo enden?! Bei dem jungen, scheinbar biederen A., der mich atemlos bat, ihn auf dem Friedhof zu fesseln und zu Französisch zu zwingen (Ging schief, erst die Knoten, dann… na, ja).
Der Quickie auf einem Hausboot, auf dem gerade eine Hochzeit gefeiert wurde, und J. und ich auf dem Herren-WC zur Sache… aber dann kam dieser betrunkene Gast rein, pillerte und pfiff und sang „Hoch auf dem gelben Wahaagen… sihihick!, hicksich beim Schwaaaager vorrrn.“
Oder die Bestellung einer total angesagten Frauen-Zeitschrift, die Sex und Highvoltage verbinden wollte, also Sex mit Ipod, mit Handy mit Laptop mit Beamer, mit… ich glaube, ich habe niemals so viel gelogen wie in diesem Report, danach habe ich die Zusammenarbeit gekündigt, weil ich keine Lust mehr hatte, Teil einer Frauenverblödung zu sein. Lustig war, als ich den Ehewolf mal mit nix an, außer mit weißen Engelsflügelchen, String (diese Zahnseide für den Hintern, grässliches Zeugs) und weißen Highheels empfing, einen Schritt auf ihn zu machte, möglichst kokett dabei schaute, stolperte – und hui!, lag der Engel flach. Geschwollener Knöchel, ein Mann, der sich vom Lachanfall unterm Sauerstoffzelt erholen musste, insgesamt ein eher unbefriedigendes Gesamterlebnis. Aber heiter.
Ich glaube, ich habe schon so viel Lachhaftes, Peinliches, Fröhliches, im klassischen Sinn „un-pricklendes“ erlebt, dass mir Pannensex wahrlich keine Angst mehr macht. Letztlich sind es zum Schluss Anekdoten, die ein Paar verbinden, und die sich in der Rückschau immer schön-schlimmer erzählen lassen („Weiß Du noch, auf dem Jägerstand, und dann kamen die Wildschweine… oioioi!“)

Liebe Nina, vielen Dank für dieses mitreißende, offene Interview!

((VITA))
Die Schriftstellerin und Journalistin Nina George (*1973, Bielefeld) schreibt seit 20 Jahren Krimis, Romane (Die Mondspielerin war Gewinnerin der DeLiA 2011, dem Literaturpreis für den besten deutsch­sprachigen Liebesroman), Sachbücher, literarische Reiseführer (Verliebt in Hamburg: Ein Stadtverführer) und Erzählungen. Zwei ihrer bisher 83 Kurz­geschichten waren für den renommierten Friedrich-Glauser-Preis nominiert, „Das Licht von Dahme“ (2010) sowie „Das Spiel ihres Lebens“ (2012).
George arbeitet seit 1992 als freie Reporterin für Zeitschriften und Zeitungen (Etwa TV Movie, JOY, BamS), als Krimirezensentin (Focus Online Mordkommission) sowie als Wochen-Kolumnistin, etwa fünf Jahre für das Hamburger Abendblatt. Ihr Pseudonym Anne West gilt als erfolgreichste Erotikautorin Deutschlands. George ist verheiratet mit dem Schriftsteller Jens J. Kramer und lebt im Hamburger Grindelviertel.
www.ninageorge.de
https://www.facebook.com/NinaGeorge.Schriftstellerin
https://www.facebook.com/DieMondspielerin
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Kommentare:

  1. Nina, einfach ein tolles Interview. Originelle, unverkrampfte Antworten .... liebe Grüsse aus Zürich :-) Silvia

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  2. ach, Nina... Du bist & bleibst einfach DER ABSOLUTE HAMMER !!!

    liebe Grüsse an Dich & an Hamburg...

    Uschi

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