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Sonntag, 29. April 2012

Ein Ü-Ei oder: Ein Interview mit Isadorra Ewans - Ana Riba - Sara Bellford - Frau Klein

Wie sagte schon Pandora, ehe sie die berüchtigte Box öffnete?
Das Leben ist voller kleiner Überraschungen.

So ging es mir, als ich Eukalyptusbonbons lutschend vor dem Zoogehege der Koalas stand. Ich hasse diese kleinen Biester, grau und pelzig. Mit schwarzen Kulleraugen lullen sie dich ein, um dann die Mäuler zu öffnen und den Hauch des Todes zu verbreiten: Eukalyptusgeruch.
Ich hasse Eukalyptus. Vor allem wenn ich selbst danach rieche. Selbstverständlich nie freiwillig. Mein Nemesis ist stets Schnupfen, Husten, Heiserkeit.
DER Schnupfen. DER Husten. DIE Heiserkeit. Nicht dieses kleine Röcheln und Hüsteln, sondern die Titanin der Erkältungen. Big Mama der Grippeviren.
Nur diese Variante treibt mich Eukalyptus in die Arme. Mit Todesverachtung nutze ich das stinkende Zeug um Big Mama zu verjagen. Und weil mich das wiederum bösartig macht, gehe ich in diesen Zeiten bevorzugt in den Zoo und foltere Koalas, indem ich lasziv Eukalyptus vor ihrem Gehege lutsche.

So auch dieses Wochenende.
Ich stehe also nichtsahnend vor dem Käfig und schmatze vor mich hin, als mir eine lachende Frau auffällt. Sie guckte mich so komisch an. Langsam wurde mir unheimlich.
WER war die Frau? Sie schien nett zu sein. Aber Ted Bundy wirkte auch harmlos.
Während ich noch überlegte, was zu tun war, kam sie zu mir herüber. (Und sie sah mich immer noch seltsam an.)
Ich nickte ihr zu.
"Du erkennst mich nicht, was?", meinte sie grinsend, als ob sie wußte, daß ich mir im Geiste schon ausmalte, welche Bondage-Varianten sie an mir ausprobieren würde, ehe sie mich zu Hackfleisch verarbeitete.
Meine Stimme war durch die Erkältung lädiert, eine klangliche Mischung wie Joe Cocker und der hellste Sopran, also zuckte ich die Schultern.
"Ich bin Ana Riba", erklärte sie und ihr Lachen wurde breiter.
Ich blinzelte, dann fiel der Groschen. "Isadorra Ewans!"
"Und Sara Bellford", fügte sie hinzu.
"Frau Klein", konterte ich. Wir lachten.

... sie hat mich dann weder gefesselt, noch zu Hack verarbeitet. Aber ein Interview hat sie mir gegeben :-)



Interview:



Du schreibst unter verschiedenen Pseudonymen. Warum?



ChefsacheWeil ich unterschiedliches Publikum erreichen möchte. Zum einen ist da die „Sara Bellford“, bei der das Erwecken des Interesses für die von mir beschriebenen Spielarten im Vordergrund steht.

Als „Ana Riba“ erarbeite ich mir hauptsächlich das Thema „Beziehungen mit BDSM-Hintergrund“.

Neuerdings gibt es von mir noch die „Isadorra Ewans“, mit der ich einfach in erotischer Literatur schwelge und schöne Geschichten erzählen möchte. Aber ich denke, dass gerade in der erotischen Literatur nicht jeder alles mag und deshalb möchte ich mich mit meinen Pseudonymen abgrenzen.



Wie bist Du zum Schreiben gekommen? Wolltest Du schon immer schreiben?



Wie die Jungfrau zum Kinde. Einfach mal versucht, einfach mal gemacht. Ich hatte nie die Ambitionen zu schreiben. Ich habe es gerne getan, aber niemals mit dem Hintergrund eine Geschichte zu erzählen. Bis mir jemand sagte, dass ich nichts anderes tue und in diesem Moment wurde mir bewusst, dass ich eigentlich das tue, was ich gerne mache.

Fesseln der Lust 



Was reizt Dich an erotischer Literatur (schreiben/lesen oder beides :-) )



Die Vielschichtigkeit des Themas und die Tatsache, dass Erotik zu unserem menschlichen Grundbedürfnis gehört. Ich wiederhole mich da immer wieder gerne, da die Erotik ja doch leider immer noch in die Schmuddelecke gehört. Niemand – außer Autoren erotischer Literatur – schaffen es, wirklich alle Sinne der Leser anzusprechen. Animieren, locken und necken … den Leser verführen; dass ist es, was mich wirklich fasziniert.

Beim Lesen gehe ich allerdings gerne tiefer. Ich lasse mich gerne von Geschichten verführen, die – zwar erotisch sind –aber auch gleichzeitig meine Psyche fordern.



 Kannst Du vom Schreiben leben?



Jein. Sicher kann ich meinen Beitrag zur Haushaltskasse beitragen. Aber allein würde ich wohl untergehen.



Wer sind Deine Lieblingsautoren/innen?



Vivienne, Sklavin ihrer Lust
In der Erotik ist meine unumstrittene Favoritin Dominique Aury „Die Geschichte der O“. Sie bekommt allerdings im Moment Konkurrenz durch Edith Templeton mit ihrem Roman „Gordon“. Beides eigentlich keine erotischen Romane, jedoch gehen sie so tief in und an die Psyche des Lesers, dass es unglaublich ist. Vom Stil her sind sie bewundernswert. Beide Autorinnen – Spiegelbilder ihrer Zeit – kommen ohne Verbalpornografie aus. Sind in ihren Beschreibungen sexueller Handlungen eher technisch, denn emotional. Doch die Geschichten, die sie erzählen, sind psychologische Wunder.

Um mich zu entspannen, lese ich immer wieder gerne Douglas Adams. Nicht nur sein „Anhalter“ auch die „Holografische Detektei“ ist mehr als lesenswert und trifft meinen seltsamen Humor ziemlich genau.

Bei den Klassikern darf es gerne ein Hemingway sein oder auch Erich Kästner. Allerdings gibt es da so viele Bücher, die ich noch lesen will … da würde es mir wirklich schwerfallen, Namen zu nennen.  



Bei wie vielen Verlagen hast Du Dein MS eingeschickt, ehe es angenommen wurde?



Mein erstes Manuskript ging nur an einen Verlag. Es war ein Versuch, der gleich genommen wurde. Niemand war erstaunter als ich selbst. Natürlich habe ich mich riesig gefreut … Aber der normale Werdegang einer Autorin war das sicherlich nicht.



Wie lange brauchst Du für ein Manuskript?



Es kommt drauf an, wie stark mich die Idee beschäftigt. Vor Kurzem habe ich für einen großen Publikumsverlag ein Manuskript verfasst, für das ich gerade mal drei Wochen gebraucht habe. Quasi nebenbei geschrieben. War für mich auch eine neue Erfahrung.

Für gewöhnlich habe ich eine Idee, die ich bis auf ca 20 DINA4-Seiten ausarbeite, diese Idee dann zur Seite lege und mich mit einer anderen Sache beschäftige. Irgendwann – in der Zwischenzeit können Wochen oder Monate vergangen sein –nehme ich diese Idee hervor und sehe, ob sie überhaupt praktikabel ist. Dazu braucht man Abstand. Mein letztes Manuskript „Coco – Galerie der Lust“ (AT) ist ein solcher Fall. Alles in allem habe ich dafür ein Jahr gebraucht. In der Zwischenzeit musste ich aber immer mal wieder andere Ideen „zur Seite legen“.



Liest Du viel? Was?



Ich bin ein sporadischer Leser. Es gibt Wochen, da rühre ich kein Buch an, weil ich es einfach nicht schaffe, mich darauf zu konzentrieren. Denn meine Arbeit als Autorin nimmt mich doch sehr in Anspruch. Dann gibt es wieder Phasen, in denen ich innerhalb einer Woche mehrere Bücher anfange und lesender Weise verschlinge. Ich sauge diese Geschichten dann förmlich auf und sehe das als Erholung an.

Das Ponygirl und Die BestrafungIch versuche mich natürlich in der Erotik auf dem Laufenden zu halten, sehe über den Tellerrand hinweg, um mich zu informieren, was die Kolleginnen so umtreibt. Ich bin aber ehrlich: Ich lese selten zeitgenössische Erotik.

Ansonsten nehme ich mir alles zur Brust, was sich bietet. Im Moment am liebsten Bücher, die irgendwie mit Frankreich zu tun haben. So liegen auf meinem SUB Romane wie „Madame ist leider verschieden“ von Claude Izner. Auf dieses Buch bin ich richtig gespannt. Sehr gerne habe ich auch „Schweine züchten in Nazareth“ von Amanda Sthers gelesen. Ein Buch, das nur aus dem Briefwechsel einer Familie besteht. Sehr amüsant, sehr interessant.



Hast Du Hobbys?



Hobbys sind immer so eine Sache. Auch dazu braucht man ein gewisses Talent. Ich versuche seit Jahren einen Gewürzgarten in meinem Garten zu züchten. Mit mäßigem Erfolg. Aber ich bin da recht hartnäckig und ich denke, dieses Jahr wird das bestimmt was. Allerdings habe ich keinen grünen Daumen, aber jede Menge Enthusiasmus









Was hilft Dir, Dich zu entspannen? Wo und wie findest Du Inspiration?



Ich beobachte gerne. Dabei kann ich meinen Geist „fliegen“ lassen. Ein Straßencafé, eine Tasse doppelter Espresso und ein wenig Sonnenschein und schon prasselt die Inspiration auf mich ein. Ein sehr schönes Erlebnis.



Hörst Du beim Schreiben Musik?



Oh ja. Musik ist für mich ein Lebenselixier. Ohne geht gar nichts. Je nach Musik kann ich die erzeugte Stimmung sogar in meinen Texten umsetzen. Musik ist für mich ebenso eine Inspiration, wie die Person, die mir gegenübersitzt.





Hast Du schon ein neues Projekt in Planung?
Der Keller


Im August erscheint im dotbooks-Verlag mein Herzprojekt „Nicht schon wieder Kamasutra“ (AT), in dem es um zwei Freundinnen geht, die versuchen ihre eigene sexuelle Revolution zu erleben. Guter Sex und Liebe müssen sich schließlich nicht ausschließen. Aber bis dahin ist es für beide ein anstrengender und – wie ich hoffe – äußerst amüsanter Weg. Der Leser wird in einzelnen Geschichten an ihrer Erfahrungssuche teilhaben. Die Geschichten erzählen vom BDSM über Kegeltouren, die eigentlich nicht als Kegeltour gedacht sind, bis hin zu einem durchgeknallten Yoga-Guru.



Wie sieht Dein Alltag aus? Deine Schreibroutine?



Schreibroutine … hab ich nicht Ich arbeite täglich mehrere Stunden. Dabei kann es aber passieren, dass ich kein einziges Wort geschrieben habe, sondern mir z. B. nur die grobe Richtung, in die mein Text gehen soll, ausgeformt. Dafür schaffe ich dann am nächsten Tag an die 8000 Wörter. Also: Routine würde ich das nicht nennen



 Man drückt Dir 500 Euro in die Hand, mit der Bedingung, es auszugeben. Was würdest Du damit anstellen?



Da stellt sich mir die Frage, ob ich überhaupt schon mal einen 500-Euro-Schein – oder überhaupt so viel Geld - in der Hand hatte … Wahrscheinlich nicht. Ich kann mich zumindest nicht erinnern
Lustschmerz Erotischer SM-Roman
Ich fürchte, da würde bei mir ausnahmsweise der Egoismus durchschlagen. Schließlich bin ich Mutter und Ehefrau und denke somit immer erst an die Familie.

Es gibt viele Wünsche, die ich mir damit erfüllen würde. Ein Parfüm, ein wenig Kosmetik, das ein oder andere Buch. Etwas Futter für die Seele halt.



Danke an Ivy, dass sie mir die Gelegenheit gegeben hat, mich vorzustellen. Es hat mir sehr viel Spaß gemacht, die Fragen zu beantworten.


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