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Freitag, 25. Mai 2012

Alexandra Amber und ich und ein Besuch in der Erotik-Boutique

 In der UNGLAUBLICH langen Zeit ;-), die ich mich nun unter professionellen Autorinnen herumtreibe, habe ich eines herausgefunden: 
Wir sind viele. (Fast) jeder von uns. Und wir entsprechen den Klischees ... nicht ....

Gerade als ich sinnierend im Erotikshop stand, näherte sich mir eine aparte Frau. Sie lächelte und ich bekam Panik. Ich wußte doch, daß es KEINE gute Idee war, in einer Frauen-Erotikboutique zu stöbern!
Jetzt würde ich die - zweifellos - nette Anmache der Dame abwehren müssen, ihr erklären, daß ich mich zwar geschmeichelt fühle, aber keineswegs interessiert wäre.
Fünf Minuten später schämte ich mich dann. Es war weder Anmache noch sonst irgendwie erotisch inspiriert, nein, eher umsatztechnischer Natur, denn die Frau - obwohl weder mit Strapsen, High Heels und Dekolletee bis zum Bauchnabel ausstaffiert - war die Besitzerin des Ladens.
Ein Geistesblitz durchschoß mich: War das nicht? Das war doch nicht etwa?

Ja, meine Lieben, man begegnet uns überall: Im Kirchenchor, im Supermarkt, auf dem Spielplatz, im Altenheim. Wir sind, dick, dünn, klein, groß, ohne Bart, mit Bart (ob auf den Zähnen oder im Gesicht bleibt ein Geheimnis ;-) ) .... und manchmal findet man uns sogar im Erotik-Shop  ....

Warum schreibst Du?


Ich habe schon als Kind gern geschrieben. Ich habe eine sehr ausschweifende Fantasie, und damit ich nicht ständig Freunde und Familie mit erstunkenen und erlogenen Geschichten nerve, muss ich diese aufschreiben. Angefangen habe ich damit "ernsthaft" aber erst vor rund zwei Jahren, nachdem ich mit einer Freundin zusammen ein Frauenmagazin in Essen entworfen habe, für das ich heute noch schreibe. Damit wuchs in mir der Gedanke, dass ich es doch einfach mal versuchen könnte, und 2010 schrieb ich mir dann in Rekordzeit meinen ersten Roman (Der Assistent) von der Seele. Seitdem verging aber kaum ein Tag, an dem ich nicht wenigstens ein paar Zeilen in mein geliebtes Macbook getippt habe.



Der Assistent | Erotischer RomanUnter welchen Pseudonymen schreibst du?

Aua, das ist eine böse Frage. Ich bin nämlich ziemlich schizophren - jedenfalls fühle ich mich manchmal so. Dabei kann ich gar nichts dazu :) Mein erstes Pseudonym, Susan Jones, kam vom Verlag (blue panther books) und bleibt dort auch, genauso wie das neue Pseudonym Laura Young, unter dem ich bei blue panther books Kurzgeschichten veröffentliche.

Daher musste ich mir für weitere Veröffentlichungen eigene Pseudonyme überlegen, da ich eine kleine Tochter habe und dachte, dass ja nicht jeder gleich wissen müsse, was deren Mama so treibt. Von Lilian Noble gibt es erotische Geschichten mit romantischem Touch, und in welchem Genre Catherine Spanks zuhause ist, erklärt sich wohl aufgrund des Namens von selbst *grins*. Und dann wird voraussichtlich im Herbst bei ubooks ein Roman erscheinen, der wieder ganz anders ist und einen eigenen Namen braucht.

Da ich mich selbst noch "suche" als Autorin und sehr unterschiedliche Sachen schreibe, ist das aber insgesamt schon ganz gut so mit den vielen verschiedenen Namen. Welcher dann in Zukunft zu meinem wirklichen Autoren-Alter-Ego wird, weiß ich jetzt noch nicht. Mal sehen, wohin mich der Weg noch führt.



Böse NachtGeschichten - erotische SM-Geschichten
Was wäre Dein Alternativ-Job, würdest Du nicht schreiben?


Ich bin ja Hobby-Autorin, habe also durchaus einen ganz anderen Job. Nachdem ich mich jahrelang im Marketing ausgetobt habe, bin ich seit einigen Jahren selbstständig. Mein Hauptjob ist aber ebenso anrüchig wie mein Lieblingshobby - ich besitze nämlich eine Erotikboutique für Frauen! Du siehst also, ich kenne mich wirklich gut aus in diesem Bereich *lach*. Dazu bin ich Mutter, Ehefrau, Hausfrau, Redakteurin und Studentin. Genug also, um einen 20-Stunden-Tag zu füllen.


Letztes Jahr habe ich dann mit einem Freund zusammen auch noch einen eigenen Verlag gegründet - eigentlich aus ganz pragmatischen Gründen: Ich studiere an der Fernuni Hagen Kulturwissenschaften und muss während des Studiums ein Praktikum machen. Da ich zu viel Berufserfahrung habe, um wochenlang irgendwo Kaffee zu kochen, schlug ich also gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Ich sammele Erfahrungen in der Verlagsbranche durch Learning by doing (meine präferierte Art, zu lernen), mache gleichzeitig mein notwendiges Praktikum bei mir selbst und kann meine erotischen Geschichten auch noch selbst verlegen. Das kommt mir als "Kontrollfreak" sehr entgegen *hüstel*.



Wo schreibst Du? Was siehst Du, wenn Du aus dem Fenster blickst?

Ich habe ein Arbeitszimmer in unserer übereinander gestapelten Fünfzimmerwohnung (=Reihenhaus) unter dem Dach. Ich sehe auf unseren Garten und auf viele alte Tannen, die hinter unserem Garten meterhoch ragen und netterweise den Blick auf die dahinterliegenden Häuser versperren. Und im Garten sehe ich meistens meine Tochter mit ihren Freundinnen, wenn sie auf dem Trampolin hüpfen oder den Garten verwüsten.



Hotel Desire - erotischer RomanHast Du eine Schreibroutine?


Ich bin ein Chaot. Das sieht man nicht nur meinem Schreibtisch an, sondern auch meinen Skripten und Aufzeichnungen. Ich kritzel ständig irgendwas, und meistens habe ich dann einen enormen Schreibschub, wenn es zeitlich gerade gar nicht passt. Dann kann es schon mal passieren, dass ich mitten in einem Telefonat einfach auflege, weil ich ganz dringend etwas "loswerden" muss, oder meinen armen Mann verdutzt im Wohnzimmer sitzen lasse und nach oben an meinen Schreibtisch flitze. Zum Glück kann der da mittlerweile mit umgehen und zeigt mir nur noch selten einen Vogel.

Meistens schreibe ich an mehreren Sachen gleichzeitig, je nachdem, was mich gerade inspiriert. Wenn mich dann eine Romanstory gepackt hat, würde ich aber am liebsten Tag und Nacht daran arbeiten, das geht nur leider aufgrund meiner sonstigen Verpflichtungen nicht. Davon träume ich noch!



Kannst Du vom Schreiben leben?



Das hängt davon ab, was man unter leben versteht *lach*. Zum Glück verdient mein Mann gut, und ich habe ja Einkünfte aus meiner Selbstständigkeit. Allerdings wächst das "Taschengeld", das ich seit zwei Jahren mit dem Schreiben verdiene, kontinuierlich, zumal auch mein eigener Verlag sich unerwartet lukrativ entwickelt, und verlockt natürlich dazu, von "mehr" zu träumen. Trauen würde ich mich das aber nicht, ehrlich gesagt, mich darauf zu verlassen, dazu bin ich wohl nicht risikobereit genug.



Lust auf dich - erotische GeschichtenWas ist Erotik für Dich?


Ein Versprechen. Ich mag einen langsamen, spannenden Aufbau, bis "es" dann soweit ist. Geschichten, die gleich mit der Tür ins Haus fallen und in denen schon auf der zweiten Seite losgevögelt wird, mag ich nicht. Erotik ist für mich viel mehr das Prickeln vorher, die Sehnsucht, die Begierde, die sich dann - nicht notwendigerweise - im Sex auflöst. Vieles im Leben strahlt Erotik aus, ohne gleich plakativ zu sein. Ein Lächeln, ein Augenzwinkern, eine Stimme, einzelne Worte, geflüstert oder hingeraunt, geschlagene Sahne mit warmer Schokoladensauce, überhaupt Essen - was ist erotischer, als ein wirklich gutes Essen? Hmmm ....



Hast Du irgendwelche Hobbys, die Dich entspannen?

Ja klar - das Schreiben :) Mein liebstes Hobby, das mich mehr entspannt als alles andere. Nur beim Schreiben kann ich mich so wirklich vergessen und ganz und gar in meiner Fantasiewelt schwelgen. Leider tut mir das Aufwachen manchmal richtig weh, und ich würde am liebsten für eine Zeit das normale Leben verdrängen. Zum Leidwesen meiner Tochter, die gelegentlich viel Geduld aufbringen muss, wenn sie mir was erzählen will und feststellt, dass Mama gerade mal wieder "gar nicht da" ist. Ich werde mich in ein paar Jahren gebührend bei ihr dafür entschuldigen.


Wer sind Deine LieblingsautorInnen?

Berühr mich! Erotische GeschichtenIch liebe John Irving, Albert Camus und alte Klassiker wie Madame Bovary oder Bücher von Dostojewski. Da ich Literaturwissenschaften als Schwerpunkt in meinem Studium gewählt habe, lese ich natürlich sehr viel, aber eben hauptsächlich Literatur.

Im Erotikgenre haben mir die Geschichten von Lilian Green super gefallen, das war mal etwas ganz anderes, vor allem sprachlich sehr herausragend. Natürlich die Klassiker - Henry Miller, großartig. Anais Nin - aufregend. Auch "Atemlose Begierde" von Isabelle Sander fand ich großartig und sehr besonders. Und die Bücher von Inka Loreen Minden/Lucy Palmer und Sandra Henke lese ich gern, auch um mir genretechnisch was "abzugucken" (aber nicht verraten, ne?).



Wie heißt Dein Lieblingsbuch?

Ich habe so viele Lieblingsbücher, das kann ich so gar nicht sagen. Madame Bovary ist eins meiner allerliebsten Bücher, das habe ich sicher schon zehnmal gelesen. Und die Stillen Tage in Clichy von Henry Miller kann ich auch beinahe auswendig herbeten. Und natürlich Gottes Werk und Teufels Beitrag von John Irving - oh Gott, ich muss schon weinen, wenn ich nur dran denke!



Wie gehst Du vor, um Plot/Figuren zu entwickeln?

Wie schon gesagt - ich bin ein (Schreib-)chaot. Meistens schreibe ich aus dem Bauch heraus - eine Idee springt mich an, lässt mich tagelang nicht schlafen, bis ich nachgebe und mich hinsetze, um daran zu arbeiten. Und dann fließt es quasi aus meinen Fingern in die Tastatur.

Aktuell arbeite ich zum ersten Mal "professionell" (jedenfalls stelle ich mir das so vor, professionelles Schreiben :) an einem Manuskript, weil das eine komplexe Handlung hat und ich da nicht einfach so drauflos machen kann. Das hält mich aber jetzt schon seit Wochen auf, und da mein Zweitname "Impatientia" ist, glaube ich nicht, dass das auf Dauer die richtige Arbeitsweise für mich ist. Momentan aber haben meine Protagonisten schon zehnseitige Lebensläufe - obwohl sie jünger sind als ich. Herrje, da kriege ich Minderwertigkeitskomplexe, wenn ich mir überlege, was die so alles schon erlebt haben!



Der Assistent 2 | Erotischer Roman
Blond, vollbusig, hemmungslos und unersättlich. Das ist die Vorstellung vieler von Erotik-Autorinnen. Welches Erotik-Autorinnen-Klischee erfüllst Du?

Alle natürlich! *lach* Aber ernsthaft, ist das Klischee nicht eher "Erotikautorinnen sind alle verklemmte und frustrierte Hausfrauen, die sich ihr eigenes degeneriertes Sexleben schön schreiben"? (Das würde schon eher ... ach, lassen wir das :-)

Als "Sexshopbesitzerin" habe ich natürlich sowieso mit ziemlich absurden Vorstellungen zu kämpfen - Du glaubst nicht, wie viele Kunden enttäuscht oder verwundert sind, wenn sie ins Geschäft kommen und sehen, dass ich weder Strapse noch einen bauchnabeltiefen Ausschnitt trage. Aber natürlich bin ich absoluter Profi in meinem Metier, und wenn jemand hundert wirklich gute Sextipps braucht, kann er mich gerne fragen *prahl* Reicht das als Klischee?



Hörst Du Musik beim Schreiben?

Meistens ja. Und meistens leitet mich die Musik dann auch. Mein aktuelles Manuskript ist getragen von Arvo Pärt und Shostakovich, wird also entsprechend nachdenklich und tiefgründig *lach*. Wenn ich SM schreibe, höre ich meistens Depeche Mode, Placebo oder VNV Nation, das kann dann also schonmal etwas wild werden. Ich finde die Idee schön, den Lesern den "Soundtrack" zum Buch mitzugeben, damit sie beim Lesen hören können, was ich beim Schreiben gehört habe, aber das geht ja leider nicht so ohne weiteres.



Was sagt Dein Umfeld zu Deiner Autorentätigkeit?

Die meisten Freunde und Bekannten haben mich schon immer für etwas "seltsam" gehalten, da war das dann nur noch das Tüpfelchen auf dem I, dass ich jetzt "auch noch" schreibe (und dann auch noch "sowas" *grins*). Meine Mutter war der Meinung, dass sie das schon immer gewusst hätte, schließlich hatte ihr schon meine Grundschullehrerin prophezeit, dass ich mal "Schriftstellerin" werden würde.

Am meisten zu leiden unter meiner Schreibmanie hat mein Mann, weil der mich in der wenigen Zeit, die wir aufgrund seiner beruflichen Eingebundenheit sowieso nur miteinander haben, oft entbehren muss. Manchmal sogar körperlich, in jedem Fall aber geistig. Und meine Tochter ist stolz - ich habe extra zwei Kinderbücher für sie geschrieben, damit sie auch mal was von Mama lesen kann (meine sonstigen Werke kann sie ja frühestens in zehn Jahren mal konsumieren, wenn überhaupt :). Allerdings erwartet sie nun zu jedem Geburtstag ein eigenes Buch von mir *schwitz*



Du darfst 24 Stunden lang unsichtbar sein. Was würdest Du tun?



Mich in die Galerie Lafayettes in Paris schleichen und darüber amüsieren, wie die Leute verwundert hinter all den Kleidern und Schuhen herstarren, die klammheimlich aus dem Geschäft schweben :)

Anschließend würde ich mich zu Paul Bocuse in die Küche mogeln und jedes Essen probieren.

Danke für die lustigen Fragen :)

1 Kommentar:

  1. Liebe Ivy,

    ich danke Dir sehr für das nette Gespräch. Und hoffe doch sehr, dass Du mich mal wieder in meinem "Sexshop" besuchen kommst :)

    Liebe Grüße

    Alex

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