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Samstag, 2. Februar 2013

Das Verhängnis mit den Weinbrandbohnen - oder, wie ich auf André Wiesler stieß ....

Hallo meine Lieben,

tja, was sein muß, muß sein ...
André Wiesler - geklaut von seiner Hp
Ich war der Meinung wie jeder vernünftige, gebildete Mensch, daß man nur durch stetes Lernen und Üben besser werden kann.
 Also entschied ich mich zu einem Schreibkurs-Workshop bei André Wiesler.
Ich betrat die Lagerhalle mit ungutem Magengrummeln, doch es gibt keine Gerüchte, daß André ein verkappter Serienmörder sein sollte. Außerdem roch er nie nach Desinfektionsmitteln.
Als ich mir dies streng ins Gedächtnis rief, wurde mir wieder wohler zumute und ich folgte dem Regenbogen, der mir den Weg wies.

Der Raum, der mich erwartete, war keine Überraschung. Die anderen Kursteilnehmer hingegen schon: Xena, MacGyver, B.A. Barracus vom A-Team und Duncan MacLeod aus Highlander.
Außerdem - ich kann es allerdings nicht beschwören - entdeckte ich gerade noch die Umrisse eines unsichtbar werdenden Pumuckels. 
Ich entschied mich dafür, so zu tun, als seien dies Kursteilnehmer wie alle anderen auch, begrüßte die Anwesenden und stellte mich vor.
Seitdem weiß ich, daß Halluzinationen durchaus in fremden Zungen reden können. Denn während Xena mich in altgriechisch Willkommen hieß, plauderte MacGyver in schönstem Englisch auf mich ein, während mir B.A. nur zunickte. Einzig Duncan MacLeod war des Deutschen mächtig und so plauderten wir miteinander.
Irgendwann verschwamm alles um mich herum und als ich blinzelte, stellte ich fest, daß ich mitten auf einer Kleinkunstbühne saß. Im Schneidersitz. Mir gegenüber hockte André und grinste mich selig an. Zwischen uns lagen mehrere leere Packungen Weinbrandbohnen und ein trauriges Fitzelchen Schokolade mit Espressosplittern. Als André meinen Blick bemerkte, stopfte er sich schnell die Schokolade zwischen die Kauleiste.
"Brauchst du nicht", erklärte er und zeigte mir schokobraune Zähne. "Du wolltest dich auf die Weinbrandbohnen konzentrieren."
Ich schielte auf die leeren Schachteln. Dunkel erinnerte ich mich, daß wir uns zu einem Test verabredet hatten. Schokolade mit Espressosplittern gegen Weinbrandbohnen.
"Also gut", erklärte ich geduldig - immerhin habe ich Erfahrung mit Männern, Kindern und Autoren. Erstere benehmen sich irr, wir letztere SIND irr.
Wie sonst ist zu erklären, daß wir die Rauschfähigkeit von Weinbrandbohnen und gedopter Schokolade testen wollten?
"André", begann ich. "Du hast bewiesen, dass Espressoschokolade rauschähnliche Zustände hervorrufen kann."
"Ich habe immer recht", erklärte er selbtzufrieden. "Und jetzt kriegst du das versprochene Interview."




Abnehmen, Kinderkriegen und andere Katastrophen – Dein Buch kann man getrost als Selbsthilfebuch bezeichnen.

Deine Beschreibung zum Umgang mit nervigen Werbeanrufen habe ich bereits – in abgewandelter Form - erfolgreich angewandt.
Schön, dass mein Leiden auf diese Weise zu etwas gut ist ;)


Welchen Tipp hast Du für Elternabende?
Bisher habe ich ja nur die Elterngespräche im Kindergarten miterlebt, die sehr angenehm waren, weil wir die weltbesten Erzieherinnen abbekommen haben. Aber wenn ich mich an Erzählungen und die Lehrer meiner Jugend erinnere, würde ich empfehlen, sich folgendermaßen auszurüsten: Eine Flasche Schnaps für den Lehrer, ein paar Dinkelstangen für die veganen Gutmenschen, die Klangschalen schlagen als Hauptfach einführen wollen (mit der drögen Pampe im Mund kriegen die für den Rest des Abends keinen Ton mehr raus) und ein Betäubungsgewehr für die Alles-Besser-Wisser. Mit denen, die dann übrigbleiben, kann man vermutlich vernünftig diskutieren. Auch wenn ich befürchten muss, dass mich dann jetzt beim ersten Elternabend jemand abschießt.



Wieviel Zeit verwendest Du für´s Schreiben?
Das schwankt sehr und kommt darauf an, wie man Schreiben genau definiert. In meiner Definition umfasst "Schreiben" alles, von der Recherche über den Entwurf und die Planung bis zum eigentlichen Schreiben. So betrachtet verbringe ich im Normalfall acht bis neun Stunden pro Tag, fünf Tage die Woche. Wenn Texte kurz vor der Abgabe stehen, können es auch mal zehn Stunden und sechs Tage werden, was vor der Geburt meines Sohnes eher die Regel gewesen ist. Aber als Familienvater werden eben andere Dinge wichtiger ;) Dabei schreibe ich aber nicht nur Romane - mein gesamtes Arbeitsleben kreist ja um der Verfassen und Konzeptionieren von Texten. Insofern könnte man sagen: Ein ganz normaler Bürojob *lacht* Nur dass ich im Hinterkopf meine Stoffe eigentlich immer dabeihabe.



Welchen Beruf hättest Du, würdest Du nicht schreiben?
Schwierige Frage. Früher wollte ich mal Meeresarchäologe werden, aber da wäre wohl nichts draus geworden, schon weil ich mir das Geschichtswissen dazu nicht hätte aneignen können. Ich vergesse ja sogar meinen eigenen Geburtstag, wie soll ich mir da Epochen und Zeitalter merken? Auch zum professionellen MMA-Kämpfer fehlt mir wohl die Disziplin. Vermütlich wäre ich also Sachbearbeiter in irgendeinem Amt und totunglücklich.


Wenn Du jetzt in Deinen Flur blickst, was siehst Du ?
Unseren Hund, der mich treudoof anwedelt und hofft, dass ich den Rechner bald ausschalte und mit ihm Gassi gehe; den Block Schnitzholz, den meine Frau mir zu Weihnachten geschenkt hat, und den ich schon seitdem in den Keller bringen wollte; nasse Schuhe; zahlreiche aufgeklebte Kinderbilder.


Welcher Film hat Dich begeistert?
Generell liebe ich Highlander, Alien und Blade Runner - wobei ich unlängst wieder schmerzlich erkennen musste, dass es hier eher die Erinnerung an diese Filme aus den Jugendjahren ist, die ich liebe. Ähnlich wie bei 80er-Jahre-Serien sollte man nicht den Fehler machen, sie sich nochmal anzusehen. Aktuell haben mich Inception und Ritter Rost sehr begeistert.

Welchen Roman hast Du in bester Erinnerung?
Die Unendliche Geschichte. Dieses Buch fasziniert und begeistert mich immer wieder. Ich lese selten Bücher mehrmals, die Unendliche Geschichte habe ich nun bereits zehnmal in unterschiedlichen Alters- und Entwicklungsstufen gelesen und immer noch etwas Neues entdeckt. Ein Buch, das für mich auf jeden Fall zur Weltliteratur gehört. Von den zuletzt gelesenen Büchern wäre da "Hero" von Root Leeb zu nennen, ein Buch über einen Familienpatriarchen, der an Krebs stirbt. Tolle Figuren und eine originelle Erzählweise!


Du bekämst ein unglaublich gutes Angebot. Der Haken: Du musst einen romantischen Liebesroman schreiben. Welche Probleme stellten sich Dir dabei?
Da gäbe es nur ein Problem: Wofür gebe ich das ganze Geld aus? *lacht* Aber im Ernst: Ich habe ja schon in meinen bisherigen Büchern durchaus auch einen Hang zur Romantik. Wenn auch zugegebenermaßen die Liebesgeschichten oft tragisch enden. Das wäre also vermutlich das größte Problem: Beide Liebenden lange genug am Leben zu halten, damit es ein Happy End gibt.


Xena, die Kriegerprinzessin, sagt Dir das was? (Nicht schummeln – Googeln verboten!)
Na sicher - feinste Nerdkultur, ich habe damals alle Folgen gesehen, auch von Hercules. Tolle Sachen, fallen aber unter die oben genannte Regel für Lieblingsfilme der Jugend: Bloss heute nicht mehr ansehen, das verdirbt die schönen Erinnerungen. Allerdings konnte ich nie so richtig nachvollziehen, warum all meine Freunde so scharf auf Lucy Lawless waren ... mein Typ war sie nicht.


Was reizt und fasziniert Dich an Fantasy?
Ich genieße die Freiheit, märchen- und sagenhafte Elemente mit einzubringen, Metaphern in den Stoff zu weben und natürlich stehe ich auf Kämpfe mit Blankwaffen und düstere Magier. Ich finde, man kann in der Fantasy Dinge deutlicher unterstreichen und sich auch einen Hang zum Heldenmut und zur Romantik erlauben, der in einem anderen Genre schnell einen merkwürdigen Beigeschmack einbringt.


Wann hast du angefangen ernsthaft zu schreiben?
Ich warte noch drauf, dass das passiert. *lacht* Ich habe beim Schreiben selten das Gefühl, etwas Ernsthaftes zu tun. Natürlich lebe ich davon, nehme meine Arbeit ernst und es ist oft genug eine wirklich harte, nervenzerfetzende Aufgabe, mit dem Schreiben anzufangen, das erfordert einiges an Disziplin. Aber wenn ich erstmal dabei bin, dann fühlt es sich selten wie Arbeit an. Seit meiner Zeit bei RTL Samstag Nacht als Sketcheschreiber in den 90ern nehme ich mein Schreiben als Beruf wahr und insofern "ernst".

Hast Du schon mal einen Schreibratgeber gelesen?
Klar, gut zwei Dutzend mittlerweile. Ich lehre das Schreiben ja auch in diversen Kursen und Schreibwerkstätten und möchte mich auf dem Laufenden halten, was die Kollegen und Kolleginnen zu dem Thema zu sagen haben. Ich finde allerdings, dass Schreibratgeber erst dann ihren Sinn entfalten, wenn man beim Schreiben an eine Problemstelle kommt. Wenn eine Szene nicht funktioniert, wenn eine Figur unrund wirkt, dann kann ich den Ratgeber zur Hand nehmen, und anhand seiner Aussagen überprüfen, wo der Fehler liegt. Schreiben lernt man nämlich am besten übers Schreiben. Wenn man sich den Kopf vor der ersten Zeile zu sehr mit Theorie vollstopft, läuft man Gefahr, die eigene Kreativität zu lähmen.


Was ist der größte Fehler, den man beim Schreiben von Fantasy begehen kann?
Sich auf dem Tolkien-Klischee auszuruhen. Fantasy hat wie jedes andere Genre seine Konventionen, Dinge, die der Fantasyleser in einem guten Fantasyroman erwartet oder zumindest erhofft. Aber plump den Herrn der Ringe nachzuerzählen, wie es so viele Fantasyautoren, vor allem das Gros der Amerikaner, machen, ist schlichtweg Faulheit und mangelnder Mut zur Kreativität. George R. R. Martin zum Beispiel hat gezeigt, dass gute Fantasy auch ohne Elfen und Zwerge geht.


Welchen Tipp hast Du für Menschen, die vor einer Gruppe Vorträge oder Lesungen halten müssen/sollen?
Auf keinen Fall das Publikum nackt vorstellen, das sorgt entweder für peinliche Geilheit oder Lachkrämpfe, je nach Zusammenstellung der ersten Reihen. Ansonsten gilt: Man sollte Ahnung von dem haben, was man da erzählt. Nur wenn man sich in dem Themenbereich wohlfühlt, kann man auch entspannt auf Nachfragen reagieren. Außerdem sollte nicht alles, was man erzählt, auf der Powerpointfolie stehen. Die Leute sollen euch zuhören, nicht lesen. Die Folien oder Materialien allgemein sollten den Vortrag unterstützten, nicht überflüssig machen. Bleibt euch treu. Wenn ihr ein Spaßvogel seid, macht Scherze. Wenn euch das lockere Wort nicht liegt, versucht nicht krampfhaft Lacher einzubauen. Je authentischer ihr seid, umso eher nehmen euch die Leute ab, dass ihr Ahnung von dem habt, was ihr erzählt. Und zu guter Letzt: Wir sind alle nur Menschen. Wenn euch ein Fehler passiert, Schwamm drüber. Meist bemerken die Zuhörer ihn gar nicht, und wenn der Bock zu groß war, den ihr geschossen habt: Anerkennen, entschuldigen, weitermachen und nicht davon aus dem Konzept bringen lassen.


Erzähl uns von Deinem lustigsten Erlebnis während eines Poetry Slam-Auftritts (oder einer Lesung)
Ein Running Gag sind mittlerweile die Schläfer auf der RatCon und FeenCon. Ich habe, da ich Freitags und Samstags meist mit Workshops und Vorträgen beschäftigt bin, meine Lesungen auf besagten Spieleconventions gerne mal am Sonntag Vormittag. Zu dem Zeitpunkt haben die Leute dann meist schon zwei Nächte durchgezockt und sind entsprechend müde, so dass eigentlich immer mindestens einer während der Lesung einschläft und nicht selten laut schnarcht. Der lustigste Schnarcher war aber mit Sicherheit der auf der Lesung des Montsegur-Autorenforums. Da sägte plötzlich jemand einen halben Urwald zusammen. Alles schaute sich empört um, aber der Schuldige war nicht zu finden. Endlich stellte sich heraus: Es war der kleine Mops Paul, der da schnarchte, wie ein startender Kampfjet. Da ging bei Lesenden und Zuhörern erstmal eine Minute gar nichts mehr.

Eine Liste sämtlicher Romane von André Wiesler: *klick*

Lieber André, vielen Dank für das unterhaltsame Interview!  Und danke für die Ebook-Spende Deiner "Die schwarze Perle"!

Jetzt liegt es an euch liebe Leserinnen und Leser!
Heute hier an dieser Stelle gibt es das Ebook von André Wieslers "Die schwarze Perle".

Alles was ihr tun müßt: Schickt eine Mail mit dem Betreff "Die schwarze Perle" und eurem Namen an ivy.paul@ymail.com .

Viel Glück!

Liebe Grüße, Eure Ivy

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